Syrien pur

Muhannad ist unkonzentriert, schon fast eine Stunde lang. Es arbeitet in ihm. Gleich zu Beginn fragte er mich, was denn nun mit dem Familiennachzug sei. Ich versuche zu erklären, was ich selbst nicht verstehe. Auf zwei Jahre wurde er ausgesetzt. Zwei Jahre? Er erschrickt vor dieser Zahl. Damit hatte er nicht gerechnet. Seit Monaten hat er seine Familie nicht gesehen, nur am Telephon gesprochen und die berichten über Bombeneinschläge in der Nähe, fünf, sechs Mal die Woche. Wer schießt auf wen? Keine Ahnung. Im Nachbarhaus schlugen gerade zwei Blindgänger ein, dann kam die Armee und habe diese aus der Erde gezogen. Recycling auf syrisch.

Trotzdem zeigen sie alle Verständnis, als ich zum wiederholten Male die Lage aus deutscher Sicht beschreibe: Demographie, Erfahrungen mit Integration, einfach zu viele … so kann es nicht weitergehen. Klar, das versteht man, aber was wird mit uns? Ich versuche zu beruhigen: noch ist nichts offiziell und was es de facto bedeutet, weiß kein Mensch. Geh zu den Behörden, vielleicht wissen die mehr – was eine feige Ausrede ist, denn alle Kontakte, die ich mit Behörden hatte, brachten nichts, gar nichts.

Er berichtet von seinem Geschäft. Autozubehör, Autoelektrik, Haushaltstechnik. Alles deutsche Firmen: Mercedes, BMW, Bosch … zerstört, geplündert, vorbei. Einst waren sie wohl wohlhabend, dann bediente er ein Kinderkarussell und schließlich die Entscheidung für Deutschland. Ein richtiger Schritt? Er zweifelt. Aber was sonst?

Sein Geschäft lag an einer großen Ausfallstraße in Damaskus. Drei oder vier Kriegsparteien standen sich gegenüber, beschoßen sich, eroberten ein paar Meter und verloren sie wieder und eroberten sie zurück … Die Schlacht um Darayya bestätigen Google und Youtube: muß man sich genau überlegen, ob man das sehen will.

Auf welcher Seite steht ihr eigentlich, wage ich zu fragen. Auf keiner, sagt der eine, auf der Seite des Friedens der andere und alle stimmen zu. Die ganze Zeit über zeigt mir Schlasch – ein dicker Mittvierziger – Bilder von seinen Kindern: ein Junge in Anzug, ein kleines Mädchen im Minirock. Ich versuche mich im Multitasking. Sie wollen erzählen, sind dankbar und scheinen zu glauben, ich könnte das Schicksal beeinflußen.

In Deutschland fragen sich Leute, warum 1200 Soldaten nach Syrien schicken, wenn hier hundertausende junge syrische Männer sitzen. Warum nicht eine syrische Armee bilden, die ISIS oder Daesh, wie sie sagen, bekämpft. Verblüffung. Schlasch und Muhannad sind zu alt dafür, Khaled sagt: Why not? und Hussein will nicht, will kein Blut sehen, will nicht auf andere Menschen schießen. Er ist der zarteste von allen. Sie finden gut, daß Deutschland eingreift, aber ich bremse den Optimismus, erkläre die historischen, politischen und auch demographischen Schwierigkeiten damit. Jeder tote deutsche Soldat ist das Ende einer Familie – es bedarf nur weniger Toter und die Stimmung wird kippen. Und erst recht, wenn ISIS einem Deutschen das Messer an die Kehle setzen sollte.

Wie lange wird der Krieg dauern? Bin ich ein Orakel? Sie brauchen jetzt meine Stimme. Ich sage: lange, years, kann mir nicht vorstellen, daß es in ein, zwei Jahren getan sein wird. Im Gegenteil: die Türken, die Russen, vielleicht der Terror irgendwo hier, ein Crash, die EU vor der Spaltung … I would be a liar. Sie nicken. Schöne Scheiße!

Zwei Sichtweisen

Zwei Sichtweisen stehen sich in der sogenannten Flüchtlingskrise scheinbar unversöhnlich gegenüber und beide berufen sich auf den schwammigen Begriff der „Humanität“. Am Beispiel Dänemark und an der medialen Berichterstattung in den deutschen Medien läßt sich das Mißverständnis gut aufklären. Nur ein Wort zuvor und doch schon zur Sache, weil es den Konflikt im Kern enthält: die einen glauben sich in einer „Flüchtlingskrise“, die anderen sehen es als fundamentale Existenzkrise an.

In Dänemark hat es die „Dansk Folkeparti“, in deutschen Medien durchgängig als „rechtspopulistisch“ bezeichnet, 20 Jahre nach ihrer Gründung bis auf über 21% bei den Parlamentswahlen im Juni geschafft. Das war nicht zuletzt einer charismatischen Vorsitzenden – Pia Kjærsgaard – zu danken, die einen hohen ethischen Anspruch durchsetzte und damit das mediale Dauerfeuer unterlaufen konnte. Zusammen mit der „Venstre“, den Bürgerlich-Konservativen, bildet man nun die Regierung und eine der ersten politischen Maßnahmen war die Senkung der Sozialleistungen für Asylbewerber um die Hälfte von ca. 1500 auf 750 Euro. Dies und begleitende Maßnahmen auf noch immer sehr hohem Niveau haben sofort zu einem Einwanderungsrückgang geführt, was im Übrigen die Hypothese zu bestätigen scheint, daß viele Menschen von Angeboten gezogen und nicht (nur) vom Elend geschoben werden.

Die Reaktion in der deutschen Presse war voraussehbar negativ. Man hielt das für inhuman, wohingegen die dänische Regierung ihrerseits Humanität als Argument anführte.

Man muß zweierlei wissen: Zum einen hat Dänemark bereits einen hohen Einwanderanteil von offiziell 11,6% und viele der hauptsächlich muslimischen Einwanderer haben sich auch nach Generationen nicht integriert, leben in Getto- und Parallelgesellschaften und das Land hat mit der „Mohammedkrise“ einen fundamentalen Schock erlitten, zum andern spielt die nationale Identität im kleinen Land eine viel größere Rolle als das in Deutschland vorstellbar ist.

Während die einen sich nun dem unmittelbaren Leid meist undifferenziert hingeben und helfen wollen, versuchen die anderen einen Blick in die Zukunft und sehen dort ein enormes Leidpotential entstehen. Beide wollen also Leid für Menschen vermeiden, beide können sich auf „Humanität“ berufen. Emotionale Intelligenz streitet hier mit Existentieller Intelligenz. Die eine gibt sich dem Augenblick, dem Gefühl, der unmittelbaren Wahrnehmung und den daraus entstehenden Handlungsanweisungen hin – die freilich vom Werteset abhängen –, die andere betrachtet die unmittelbare Situation abstrakt und versucht Entwicklungen in weiterem Raum und späterer Zeit abzuschätzen. Erstere läuft Gefahr durch permanente Selbstversorgung mit Leidbildern – das Leid anderer endet nie, solange es andere gibt und hinter jedem Geretteten stehen tausend neue Hilfsbedürftige – zur Selbstnegierung und Aufopferung (Addition des eigenen zum fremden Leid) zu gelangen, die zweite riskiert, das unmittelbar Anliegende zu übersehen. Beide können sich in ihrer Wahrnehmung täuschen und trotzdem kann man eine moralische Präferenz entwerfen.

Sollte sich nämlich der Emotionalismus als Irrtum (also Leidpotentierung) erweisen, dann ist das Experiment gescheitert und viele Handlungsoptionen werden dann ausgeschlossen sein. Sollte hingegen der Rationalismus irgendwann erkennen müssen, daß doch nicht alles so schlimm gekommen sei, wie befürchtet, dann befindet man sich trotzdem noch auf einem vernünftigen Handlungsniveau.

Gute-Nacht-Meditation

Übe jeden Abend (!) zwei mal fünf Minuten. Suche Dir eine bequeme Sitzposition. Wenn Du möchtest, lasse leise sanfte Musik erklingen. Entspanne dich! Schließe für einen Moment die Augen, atme tief durch. Aktiviere dein Scheitelchakra. Öffne danach die Augen und schaue jeweils fünf Minuten auf einen Bildschirm der Kategorie 1, schließe danach die Augen für einige Sekunden und schaue dann fünf Minuten auf einen Bildschirm der Kategorie 2.

Kategorie 1 – bitte drücke                                 Kategorie 2 – bitte drücke

hier oder                                                                 hier oder

hier oder                                                                 hier oder

hier oder                                                                 hier oder

hier oder                                                                 hier oder

hier oder                                                                 hier oder

hier …                                                                      hier

Obst und Gemüse

Wir gehen die Bildtafel „Obst und Gemüse“ auf Wikipedia durch. Jede in Deutschland handelsübliche Frucht, Beere, Wurzel, jedes Blatt, jede Nuß. Nach einer Weile wird es ziemlich ermüdend, denn die 12 Eritreer kennen fast nichts und die Aufnahmekapazität ist begrenzt. Es werden drei Veranstaltungen daraus. Auf ihrem Speiseplan stehen Reis, Kartoffeln, Äpfel, Bananen, Orangen, seltener schon Melonen, Kiwis und kaum Gemüse. Die Kaktusfeige mögen sie gern, findet man hier leider selten und wenn, dann zu Preisen, die für jemanden, der gewohnt ist, sie am Straßenrand zu pflücken, schwer verständlich sind. Erstaunt lerne ich, daß ihnen die Feige und der Granatapfel – die klassischen Früchte aus 1001 Nacht – unbekannt sind, nur die Dattel gibt es zuhauf.

Gemüse – für das ich gerade im Winter besonders werbe – scheint kein großer Favorit zu sein, Tomate, Knoblauch, Zwiebel ausgenommen. Fast alles empfehle ich roh zu essen; Brokkoli, Weißkohl, Rettich … und Brennessel.

Ich lasse verkosten, aber sie zeigen bei Umbekanntem wenig Interesse, verziehen den Mund und spucken Aronia und Sanddorn angeekelt aus oder verweigern gänzlich. Und als ich mir dann Brennessel in den Mund schiebe, halten sie mich für verrückt (man muß die Blätter zuvor rollen und kneten) und kichern. Zur „Strafe“ gehe ich herum und jeder muß die Brennessel berühren. Adlan – sonst der coolste Typ von allen – hat Angst, also gibt es einen Streich über den nackten Arm. Schnell bilden sich Pusteln – ein Heidenspaß. Nur Fiori, eine Ausnahme unter den Eritreern, will mehr über die Brennessel wissen, die ich in höchsten Tönen lobe. Sie nimmt sich die Pflanze mit nach Hause und will Tee daraus machen.

Die Syrer sind ganz anders geartet. Am Gemüsestand kennen sie fast alles. Ich nehme Radieschen, Sauerkraut und Blumenkohl mit, erfahre zu Hause dann jedoch, daß sie all das schon kennen. Russisch Kraut heißt es dort – von wegen Sauerkraut und Würstel seien deutsch. Blumenkohl essen sie roh mit Olivenöl. Da muß ich nicht mehr aufklären. Was sie noch nicht kennen, stecken sie neugierig in den Mund und finden alles gut, zumindest interessant. Ziererei gibt es keine. Wir leben hier – wir essen, was ihr eßt.

Zu Gast bei den SyrernZum gemeinsamen Abendessen gibt es Pizza, Fladenbrot, in welches man Humus – im arabischen Laden gekauft und kunstvoll über einen Teller verbreitet –, gesalzenes oder saures Gemüse, Pommes oder Salat wickelt. Salz, sehr viel Salz. So üppig sei es nur zu meinen Ehren.am Tisch

Weihnachtsgrüße auf Islamisch

Die Grimhøjmoschee im sozialen Brennpunkt Gjellerup in Aarhus wurde vor einigen Tagen schon einmal – ob ihrer Integrationsarbeit – auf dieser Seite gewürdigt. Die Jugendorganisation der Moschee gab nun auf ihrer Facebookseite mit mehr als 10 000 „Followern“ einen Verhaltenskodex zu Weihnachten kund. Ich stelle ihn in deutscher Übersetzung – die aufschlußreichen sprachlichen Eigenheiten erhaltend – ins Netz, um zum einen ein Lehrstück eines bestimmten Typs geistlichen Denkens aufzuzeigen, als auch dem deutschen Leser die Gelegenheit zu geben, im Kontakt mit muslimischen Mitbürgern aktiv integrativ tätig zu werden und der Gefahr zu entgehen, die religiösen Gefühle anderer zu verletzen. Vielleicht lohnt es sich auch, einen besonderen Blick auf die Herleitungslogik zu werfen.

Muslime JulSalam Aleikum Brüder und Schwestern!

Erneut haben die sogenannten Christen in diesem Jahr damit begonnen, das sogenannte Weihnachten zu feiern, wo sie Jesu Geburt feiern.
Weshalb ”sogenannte Christen”? Weil sie sich Christen nennen, aber sie folgen Jesus‘ Botschaft in keiner Weise – also wie können sie sich Christen nennen? Wenn ein Vegetarier damit beginnt, Buletten zu essen, würde man doch auch aufhören, ihn Vegetarier zu nennen … Wir Muslime lieben Jesus als einen hoch angesehenen Propheten, wie die anderen Propheten Gottes. Aber wir übertreten keine Grenzen und erhöhen weder ihn noch andere Propheten auf ein Niveau, das sich der Göttlichkeit nähert.

Es ist wichtig zu wissen, daß es für Muslime auf keinen Fall erlaubt ist, weder Weihnachten, Neujahr noch Geburtstag oder dergleichen zu feiern. Es ist wichtig, daß wir zu unseren Prinzipien stehen und uns von irgendwelchen Weihnachtsveranstaltungen fern halten. Das bedeutet auch, daß wir ihnen kein Frohes Fest wünschen, wie es leider so viele Muslime tun. Tatsächlich haben einige Ulama gesagt, daß man ungläubig wird, wenn man diesen Tag feiert und ihn zu etwas Besonderem macht.

Es ist einem Muslim nicht gestattet, nichtmuslimische Feiertage zu begehen, denn das bedeutet, sie nachzuahmen, wovor unser Prophet uns gewarnt hat. Er sagt: „Wer ein Volk imitiert, gehört zu ihnen“. (Abu Dawud 4031)

Ibn Qaiyim schreibt in seinem Buch, daß es Muslimen nicht gestattet ist, an nichtmuslimischen Feiertagen teilzunehmen und das haben alle vier Imame (Abu Hanifa, Malik, ash-Shafi’ee und Ahmed) in ihren Büchern deutlich gemacht. Al-Bayhaqi berichtet nach einer starken Überlieferung (Kette) von Umar bin al-Khattab, daß dieser sagte: ”Tretet nicht in die Kirchen der Nichtmuslime während ihrer Feste, denn Allahs Zorn gießt sich über sie aus“. Und er sagte auch: „Haltet euch fern von Allahs Feinden auf ihren Festen.“ Al-Bayhaqi berichtet ebenfalls mit einer guten Kette von Abd’Allah bin Umar, daß dieser sagte: „Wer durch nichtmuslimisches Land geht, wo man Nowroze (Neujahr) feiert und ihr Fest, und beim Feiern mittut und während der Feier stirbt, wird unter ihnen wieder auferstehen.“ (Ahkam ahl adh-dhimma 723/1)

Sheikh al-Islam ibn Taymiyyah schreibt, nachdem er geschrieben hatte, daß es nicht zulässig ist, an ihren Feierlichkeiten teilzunehmen, daß dieser Tag für die Muslime wie ein normaler Tag sein solle. Man soll es zu keinem besonderen Tag machen. Wenn man es tut, so herrscht zwischen den Gelehrten keine Uneinigkeit wegen ihrer Entscheidung. Einige Gelehrte sind allerdings so weit gegangen, zu sagen, daß derjenige, der es tut, ungläubig wird, denn das bedeutet, den kuffar– Ritualen Respekt zu zollen.

Das beweist, daß es einem Muslim nicht gestattet ist, nichtmuslimische Feste zu feiern. Das ist eine sehr ernste Angelegenheit, wenn man es tut. Darunter herrscht unter den Gelehrten Einigkeit.

Wer diese Feste feiert, begeht eine Ḥarām-Handlung, was sehr ernst ist. Es bedeutet die Anerkennung einer anderen Religion als der Islam. Die Betreffenden werden unter den Verlorenen sein, denn Allah sagt: „Wenn jemand eine andere Religion als den Islam wünscht, so wird er von ihm nicht angenommen werden und im Jenseitigen wird er einer der Verlorenen sein.“ [Ali-’Imran 3:85]

Allah hat zwei besondere Feste für die Muslime auserkoren und das sind ’Eid al-Fitr (Das Fest des Fastenbrechens) und al-Adha (Islamisches Opferfest). Diese Feste sollten die Muslime in größerem Maße genießen und feiern anstatt sich auf andere Feiertage zu konzentrieren, die nicht zum Islam gehören.

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Am gleichen Tag fragt Muhannad, was man den Deutschen zu Weihnachten wünschen könne. „Frohe Weihnacht“. Wir üben das gleich. Nur Hussain hat Probleme damit – er kennt das „Verbot“. Ich gehe auf ihn zu, nehme seine Hand und sage es … „Frohe Weihnacht“ kommt es zurück, schüchtern noch, aber erleichtert.

Weihnachtsmarkt

Begeisterung sieht anders aus! Als ich den Syrern sage, wir gehen heute auf den Weihnachtsmarkt, bleibt die Reaktion zurückhaltend. Sie waren schon dort, aber eben nur am Tag, wenn die Buden geschlossen sind, keine Menschen auf dem Markt, wenn vor allem die Magie der Lichter, Düfte und Musik fehlt. Am Karussell gleich am Eingang wird Muhannad nachdenklich. Nachdem sein Geschäft für Autozubehör ausgeraubt und teilweise zerstört wurde, so erzählt er, hat er einige Monate als Gehilfe auf einem Kinderkarussell gearbeitet … Weihnachten.

Viel muß man ihnen nicht erklären, sie kennen das Fest und viele Traditionen. Also konzentriere ich mich aufs Regionale. Wir essen Krapfen, die kommen gut an. Später überlege ich, ob nicht etwa Schweineschmalz bei deren Zubereitung eine Rolle spielt? Allahu akbar – und er wird es mir verzeihen, es war keine Absicht.

Bambes mit Apfelmus sind unverfänglich … obwohl … auch die werden ja gebraten …

An Glühwein ist nicht zu denken. Auch nicht ein wenziger Schluck? Nein, es ist verboten, auch der kleinste Tropfen. An Wurst und Fleisch wagen sie sich nicht heran. Nicht nur wegen des Schweins, sondern wegen Halal. Das Tier muß geschächtet sein. „Schächten“ ist übrigens ein wunderbares Wort, die syrische Zunge zu quälen. Also wird es gleich unter großem Gelächter konjugiert. Essen sie dann gar kein Fleisch? Wenig, fast nur Huhn. Ich erkläre, daß es aus tierrechtlichen Gründen – auch so ein schwer zu vermittelnder Gedanke – in Deutschland verboten sei und daß Tiere betäubt werden müßten. Aber man kennt einen arabischen Fleischer irgendwo, von dem beziehe man hin und wieder, esse aber meist vegetarisch.

Es ist eine lustige Runde. Wir lachen viel. Ab und zu muß ich ermahnen, nicht so laut zu sprechen, vor allem nicht Arabisch. Wer wissen will, wie man sich als Araber in Deutschland fühlt, der sollte mit ihnen über einen abendlichen Weihnachtsmarkt gehen. Ob ich auch als Araber durchgehe, weiß ich nicht, aber die zahlreichen bösen Blicke fange ich alle auf. Vor allem Männer schauen düster und böse, ihre Gespräche verstummen, wenn wir vorbeigehen. Bin mir gar nicht sicher, ob die anderen das überhaupt mitbekommen, meine Antennen sind jedoch ausgefahren. Am Stand mit den Räuchermännchen erkläre ich das Prinzip Räucherkerze. Die junge Verkäuferin lächelt uns freundlich zu, hat Spaß an den Wortkapriolen und holt sogar ein Räucherhaus zur Demonstration heraus.

Räuchermännchen – wieder so ein Wort zum Schießen. Oder Plauener Spitze oder Schwippbogen. Der Schwippbogen hat es Khaled angetan – den ganzen Heimweg über übt er, bis ich ihn erinnere, daß er dieses Wort wohl nie wieder in seinem Leben brauchen wird. Laß uns lieber weiter Artikel üben: Edelstein – die Edelstein … ich schaue streng … der Edelstein. Weiter mit Mütze, Krapfen, Zuckerwatte, Weihnachtsbaum, Pyramide, Bambes, Käse, Räuchermännchen und, ja, wenn du unbedingt willst – wir lachen alle – auch noch mal mit Schwippbogen.

Sexismus und Diskriminierung

Ein böser Fall an menschenverachtender Diskriminierung ereignete sich bei der Wahl der Sportlerin des Jahres. Dort entgleiste die Gewinnerin Christina Schwanitz, ihres Zeichens Kugelstoßerin, mit der Bemerkung: „Ich bin die einzige Frau, die sich über sieben Zentimeter freut.“ Die Presse feierte diese schlagfertige Aussage als Witz. „Jeder Tag, an dem nicht gelacht wird, sei ein verlorener Tag“, meinte die Preisträgerin. Aber auf wessen Kosten wird hier gelacht?

DavidNicht nur handelt es sich um einen krassen Fall von Sexismus – man stelle sich Jan Frodeno vor, der sich über die flachen Brüste oder männlichen Hintern seiner weiblichen Kollegen geäußert hätte; welch Skandal –, die Reduzierung des Mannes zum bloßen Sexobjekt, sondern es wird sich über die Schwächsten und Kleinsten lustig gemacht, jene Menschen und Glieder der Gesellschaft also, die unsere Unterstützung bräuchten und das auf einem hypersensiblen Gebiet.

Die durchschnittliche Penislänge des deutschen Mannes beträgt 14 Zentimeter im erigierten Zustand. Ab sieben Zentimeter spricht man vom klinischen Hypogenitalismus, einem Mini– oder Mikropenis. Für die betroffenen Männer stellt das in der Regel eine enorme psychische Belastung dar, denn es ist zum einen eine „Andersartigkeit“, zum anderen erschwert es den zwischen-geschlechtlichen Kontakt. Die Aussage, daß Frauen sich über nur sieben Zentimeter nicht freuen würden, ist ein wahrer Tiefschlag für die Betroffenen und dürfte von mehreren zehntausend Männern mit Verstörung zur Kenntnis genommen worden sein. Besonders unerträglich wird dieser Haß auf die Abweichung durch die zynische Bejubelung breiter Teile der Medien. Will man den normierten Mann? Wer diesen ersten Schritt der Enthemmung geht, der ist moralisch mitverantwortlich für die Diskriminierung Andersdenkender und Andersseiender, seien es nun Menschen mit Sonderbefähigungen (ehemals „Behinderte“), Menschen anderer Hautfarbe oder sexueller Orientierung, und verstößt gegen Paragraph 3 des Grundgesetzes und Paragraph 185 des StGB. An „seinen Händen klebt auch das Blut usw.“

Eine Entschuldigung von Frau Schwanitz, in der die Worte „Wenn ich mit meiner Aussage jemandes Gefühle verletzt habe, dann …“ vorkommen sollten, ist das Mindeste, was die Betroffenen und die Öffentlichkeit erwarten dürften. Ob die Auszeichnung, aufgrund besagter sieben Zentimeter, gerechtfertigt ist, wäre zu überdenken und auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen – denn wer will schon von solch einer Athletin der Erniedrigung repräsentiert werden?

Welche fatalen Folgen derartige Kränkungen haben können, zeigt der soeben wieder aufgerollte Fall Hitler. Dieser litt unter Kryptorchismus. Es ist keine allzugroße Spekulation, die dadurch erlangte Kränkung – etwa als Soldat im 1. Weltkrieg – mit Hitlers aggressiver Kompensation in Verbindung zu bringen.

Führt man diesen Gedanken konsequent fort, dann könnte uns eine Genitaluntersuchung aller Möchtegern-Napoleone im In- und Ausland möglicherweise vor künftigem Unheil bewahren.

Epistemologie der Krise

The power of ideas to transform the world is itself accelerating.
(Ray Kurzweil: The singularity is near)

Die sogenannte Flüchtlingskrise stellt auf politischer Ebene den Abschied von einer alten erkenntnistheoretischen Figur dar: des Dialogs mit den Ahnen.

Wissen generiert sich nicht mehr aus der gemachten Erfahrung und den bewährten Strategien, sondern wird projektiv, also in die Zukunft verschoben. „Laßt es uns probieren, dann werden wir es wissen.“ Die Wissenschaft nennt das „Experiment“. Der Unterschied zum wissenschaftlichen Experiment ist: dieses wird in einer dafür geschaffenen, zeitlich und räumlich abgegrenzten Welt durchgeführt, es ist mithin abbrechbar und wiederholbar, und man kann es von außen beobachten bzw. messen.

Die nun neue Qualität zeigt sich im Ineinanderfließen, in der Identitätsaufgabe, im Einreißen der Grenzen zwischen Experimentator und Untersuchungsobjekt. Es ist ein Experiment an und mit sich selbst.

Damit ist der ideologische und politische Progressismus in jene Phase eingetreten, die Ray Kurzweil für die Technik als „Singularität“ beschrieben hat. Die Beschleunigung der gesellschaftlichen Entwicklung nimmt derart zu, daß Ursache und Wirkung idealtypisch ihre Sukzession verlieren oder sich sogar umkehren. Sein utopischer Schluß war: „that we have the ability to understand, to model, and to extend our own intelligence“. Auf gesellschaftlicher Ebene wäre dieser Schluß noch waghalsiger. Zugegeben, theoretisch kann das Experiment gelingen, aber es gibt dafür keine – und kann auch keine geben – empirischen Hinweise. Es ist also der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser – die Alten hätten uns vielleicht vor Klippen, Strömungen, Haien gewarnt. Ihre Stimmen sind verstummt, nun bleibt uns nur noch die Hoffnung und – unsere Fitness.

Lest „Mein Kampf“!

Allmählich läuft das Feuilleton in Hyperventilation heiß: In wenigen Tagen wird d a s Buch nach 70 Jahren zum ersten Mal wieder in Deutschland verlegt, kommentiert und wissenschaftlich bearbeitet. Skrupel, Zweifel, Abscheu und Sicherheitsvorkehrungen kämpfen mit Realismus und wissenschaftlicher Rechtfertigung. Dabei hätte das Werk nie verboten werden sollen – es hätte längst alle Faszination verloren und eine Gesellschaft, in deren mediale Leitkultur extreme Gewalt, Brutalität und Pornographie fest eingebunden sind, wirkt in dieser Frage ohnehin unglaubwürdig.

Was erwartet also den Leser dieses Buches? Arnold Zweig schrieb irgendwo, daß kein Intellektueller es ernst nehmen konnte und das war ein Fehler, denn vieles von dem, was sich im Laufe der Jahre 33-45 entfaltete, war in nuce in Hitlers Autobiographie enthalten. Zwölf Millionen Exemplare soll es bis Kriegsende gegeben haben, aber wirklich gelesen haben es wohl nur sehr wenige. Kein Wunder, denn es verlangt den geübten Leser. Nicht etwa, weil es komplex und schwierig wäre, sondern man wird kaum ein wirreres Buch finden, zumindest keines mit Bestsellerstatus – moderne Bestseller selbstverständlich ausgenommen.

Bevor man beginnt, könnte eine kleine Übung helfen: man sollte versuchen, die Person, das Bild, die markante Rede, die Intonation Hitlers zu vergessen, denn sonst gerät es gänzlich zum mentalen Theaterstück.

Um es reinweg zu sagen: Es ist ein an unfreiwilliger Komik, an inhaltlicher Ungeordnetheit, an sprachlicher Platitude, an Stilblüten, an versimpelter Logik, an Selbstentblößung, an „kurpfuscherischer Salbaderei“ und an Bramarbasieren, an ausladender Geschwätzigkeit, an Ressentiments und an Verbitterung kaum zu übertreffendes Machwerk, kurz: für jeden anspruchsvollen Leser ist es eigentlich ungenießbar.

Und trotzdem lernt man viel, wenn man entsprechend wach und kritisch ist. Hitlers Persönlichkeit zeigt sich nahezu ungeschützt, Teile seiner – hier natürlich geschönten – Biographie werden sichtbar, man lernt seine Denke kennen, aber auch seinen beeindruckenden Willen, seine simple Logik ebenso wie sein bescheidenes Vokabular, das nur bei Schimpfwörtern exzelliert. Die grundlegenden Topoi der nationalsozialistischen Ideologie lagen demnach Mitte der 20er Jahre schon auf dem Präsentierteller: soziale Frage, Marxismus, Bolschewismus, Judentum, Österreich, die Lehren der Geschichte, Überbevölkerung, Rasse …; die Ziele und Affekte waren ausgesprochen: Vernichtung der Juden, Propaganda, Religionsfeindlichkeit, Intelligenz- und Kunstfeindlichkeit, Abschaffung des Parlamentarismus, das Sendungsbewußtsein, Rassentheorie und Sozialdarwinismus … Vor allem das Kapitel über Rassentheorie sollte gymnasiale Pflichtlektüre sein!

Man könnte endlos analysieren, etwa Hitlers zweiwertige Logik, wie er alles in ein Entweder-Oder teilt oder aber halbiert, Differenzierungen verabscheut, wie er sich statt an Tatsachen an Bildern und Metaphern entlang hangelt, wie er individuelle Erfahrungen verallgemeinert, wie er permanent in Sein-oder Nichtsein-Dichotomien denkt und wie er sie, falls sie partout nicht anwendbar sind, in ein „als-ob“ verwandelt, wie er aus selbst aufgestellten unbewiesenen Prämissen die gewagtesten Schlüsse zieht usw. Er denkt nicht nur selbst streng antithetisch, sondern er ist auch nur in der Lage, bei anderen duales Denken wahrzunehmen … dieses geschwätzige Buch ist eine Beleidigung an jeden anspruchsvollen Geist und kein anspruchsloser dürfte in der Lage sein, es ohne Überwindung überhaupt zu lesen. Es ist eine vorzügliche Disziplinübung.

Was nicht heißt, daß es nicht vereinzelte richtige Beobachtungen enthält. Die öffentliche Diskussion hat sich seit langem angewöhnt, derartige Behauptungen zu tabuisieren. Doch niemand wird Erich Fromm einen Nazi nennen, weil er das gleiche Beispiel wie Hitler verwendet oder Alice Schwarzer eine braune Braut, weil sie – wie Hitler – die Prostitution radikal bekämpft, oder den Pädagogen, der die Wissensüberlastung der Jugend in der Schule beklagt oder mehr Sportunterricht fordert, oder den Historiker, der meint, Geschichte solle eher Lehr- als Lernstoff sein, oder den Kritiker der materialistischen Lebensweise … Zu all diesen richtigen Schlüssen kam Hitler aus einer grundlegenden Halbbildung heraus, auch wenn er sich generelle Urteile über Nationalökonomie, Philosophie, Individualpsychologie und Naturwissenschaften zutraut. Allein in der Politik hat er ein gewisses Gespür – einige seiner Gedanken zum Parlamentarismus, zu Propaganda und Werbung, zur Psychologie der Massen, zur öffentlichen Rede sind durchaus nachdenkenswert, allerdings ist auch in dieser Hinsicht nirgendwo ein Gedanke, den man anderswo nicht auch und besser lesen könnte.

Gerade deswegen – weil das Buch so unverdaulich ist – sollte es gelesen werden und möglichst ohne ideologisierenden Kommentar. Man braucht es ungefähr so dringlich wie den Influenza-Virus – in der Impfampulle. Wer sich damit einmal infiziert hat, entwickelt mit hoher Wahrscheinlichkeit lebenslange Antikörper gegen diese Form des Nationalsozialismus. Und wer dagegen immun sein sollte – man muß die Faszination des Heimlichen wie gesagt abziehen – dürfte per se nicht gesellschaftlich relevant handeln können.

Gott ist groß

Besuch bei Hussain. Schon auf der Straße läuft er mir entgegen, in Badelatschen und kurzen Hosen. Er ist allein – seit Wochen. Seine beiden Mitbewohner sind in Dresden. Das Zimmer ist fürchterlich überheizt. Es sieht aus wie überall: neu renoviert, aber kahl. Weiße Wände, ein Tisch, zwei Stühle, zwei Betten, ein stählernes Regal mit Linsen, Nudeln, Zucker, Tee, ein Kühlschrank. Kein Bild, kein Buch, nichts. Nur das Handy liegt mitten auf dem Tisch. So sitzt er also Tag für Tag und stiert die Wände an und hofft auf das „Klingeln“ seines Mobiltelephons, den Weckruf „Allahu Akbar“.

Er bereitet mir Tee, ich packe ein paar Pfefferkuchen aus, die er kommentarlos ißt. Den Kühlschrank will er mir zeigen: „Look, everything for two Euro.“ An der „Tafel“ erstanden. Ein Blumenkohl, Radieschen, Möhren, Paprika, Äpfel und eine schon schwärzliche Birne. „Die mußt du bald essen“, sage ich, aber auch das andere wirkt faltig und lapprig. „Wie heißt das?“ Er hält mir eine lasche Petersilienwurzel hin – „forget it, too complicated“.

„I am always thinking“, sagt er mir. Worüber? “The truth!“ Die Wahrheit? Was für eine Wahrheit? Die Wahrheit über Gott. – Unser altes Thema: Islam, Koran, Glaube. Ständig scheinen seine Gedanken darum zu kreisen, der junge 20-jährige Kerl mit einst angefangenem Technikstudium. Ich sage ihm: „Du bist in einer Blase, deine Gedanken drehen sich im Kreis, kein Wunder, daß du melancholisch und traurig wirst.“ – „Aber ich muß die Wahrheit wissen.“ – „Eine einzige Wahrheit gibt es nicht, sondern viele“. Da schaut er mich erstaunt an, als sei das ein sonst wie seltsamer Gedanke. „Look! Du existierst und ich existiere, richtig? Wir beide sind also, wir beide sind in Wahrheit. Schon hast du zwei Wahrheiten. Jeder Mensch ist und hat eine Wahrheit“. – „Aber Mohammed sagt …“ – „Vergiß Mohammed einfach mal und denke selber nach … hast du schon mal ein anderes Buch gelesen?“ Wieder schaut er mich an. „Einen Roman zum Beispiel, a novel“ Wir müssen das Arabisch-Wörterbuch befragen, um den Sinn von „Roman“ zu erschließen. Nein, hat er offensichtlich noch nicht. „Wenn du aus deiner Blase, aus deinem Gedankenkarussell heraus willst, dann mußt du anderer Leute Bücher lesen.“ Irgendwie will er und kann scheinbar doch nicht – eine seelische Grenze, die Angst davor, die Büchse der Pandora zu öffnen? Darf ich das überhaupt? Warum sollte ich in einem gläubigen Menschen den Zweifel säen?

Weil der Zweifel selbst schon an ihm nagt, sonst würde er nicht fragen. Und weil er genau deswegen hierher kam, nach Deutschland, ins gelobte Land. Alle in Syrien schwärmen von Deutschland – Genaues weiß keiner. Nur studieren kann man hier und die deutsche Regierung bezahlt das. „Aber dann mußt du auch andere Bücher lesen, wenn du hier studieren willst. Nicht nur Mathematik oder Physik, wie bisher. Auch Menschen haben was zu sagen.“ Dann erkläre ich ihm die zwei Wurzeln des europäischen Denkens und daß die „Kritik“, „the critical mind“ von den Griechen kommt. „Kritik“ heißt „scheiden, trennen, differenzieren“ – wer das nicht kann, wird kein Europäer. Er will so gern und wagt es noch nicht.

Als ich aufstehe, will er mich zurückhalten. „Es ist spät“, sage ich und er wird einen Moment traurig. Wieder ein Abend allein. Im Hausflur sagt er mir: „Ich habe zwei Ziele. Wie finde ich die Wahrheit und wie werde ich glücklich?“ Da kommt mir die rettende Idee – Autorität: „Hussain, du bist jung und intelligent und ich bin alt und erfahren. Höre auf den Rat eines erfahrenen Mannes!“ Das versteht er. „Laß die Frage nach der Wahrheit vorerst ruhen, sie treibt dich nur in den Wahnsinn, so ganz allein. Versuche glücklich zu werden, der Rest kommt von allein.“

Dreams

Frage an alle Teilnehmer der kleinen eritreischen Studiengruppe: Was willst du werden?

Adlan (Mitte 20, Muslim), seit 18 Monaten in D: „Electronics“ – „Was meinst du damit?“ – „Electronics, good hands“ – „Du arbeitest gern mit deinen Händen?“ – „Ja“ – „Also Elektriker?“, zeige auf Steckdose und Kühlschrank – „Ja, Elektrik“ – „Was hast du gelernt? Was hast du vorher gemacht?“ – „Soldat“

Abraham (Anfang 20, Christ), seit ca. 6 Monaten in D: „Auto“ – „Auto was?“ – Zeigt mir Schraubgeräusche – „Automechaniker? Autoschlosser? Mechanics?“ – „Ja, mechanics“ „Sehr gut, brauchen wir. Das heißt: A-u-t-o-s-c-h-l-o-s-s-e-r“ – Wir üben … „Hast du schon mal ein Auto repariert, gebaut?“ – „Nein, kein Auto, in Eritrea kein Auto“.

Senait (Anfang 20, Christin, verheiratet), seit drei Monaten in D in Begleitung ihres sechsjährigen Neffen, dessen Mutter seit drei Jahren schon in Schweden lebt – das Kind soll irgendwann nachziehen: „Nurse“ – „Krankenschwester – auch sehr gut, werden gebraucht. Erfahrungen?“ – „Nein“ – „Krankenhaus oder Altersheim?“ – erkläre „Altersheim“ – „Krankenhaus“ … Senait ist sehr intelligent, schnelle Auffassung und fleißig, sie hatte als einzige eine zwölfjährige Schulausbildung, die Männer hingegen nur sieben oder acht Jahre.

Hawet (sprich „Aut“, Anfang 20, Ehemann Senaits, von der Sprache bisher vollkommen überfordert; jetzt endlich, nachdem ich seine Frau dazu vergatterte über die Woche 3000 Mal die Hilfs- und Modalverben zu konjugieren, kann er sie): hat noch gar keine Vorstellung, war zuvor „Bauer“ – „Bauer? Was heißt Bauer?“ – Senait erklärt: Hilfe auf dem elterlichen kleinen Hof mit ein paar Ziegen und etwas Landwirtschaft für den Eigenbedarf (in der großen Gruppe erzählen mir acht von 12 Männern, daß sie Bauern gewesen seien – heißt wohl so viel wie: ohne eigentliche Arbeit bzw. im Familienhaushalt helfend).

Fiori (Anfang 20, schwanger, Christin), seit mindestens sechs Monaten in D, spricht mit Abstand am besten Deutsch, will Ärztin werden, also studieren. Sie könnte das schaffen, hat eine angeborene Neugier, im Gegenteil zu allen anderen, fragt, probiert, will wissen …

Abdel-Nasser (Somalier, Muslim, Anfang 20, nach dieser Lektion, trotz Beteuerung und guter Mitarbeit nie wieder gesehen) war ebenfalls „Bauer“ und hat keine Berufsvorstellung.

Huff and Puff

„Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken aber in deinem Auge bemerkst du nicht?“ (Matthäus 7.3)

Manche Presserzeugnisse sind einfach zu einfach. Die Huffington-Post, die eigentlich niemand braucht, stellt eine Mischung aus dem Focus-Video-Dienst und der Bild-Zeitung dar. Ein Großteil der Focus-Redaktion (man arbeitet mit HP zusammen) scheint dieser Tage damit ausgelastet, Youtube nach sogenannten viralen Hits abzuscannen – vom fußschweißallergischen Katzenbaby und zwei Hunden, die was mit einem Meerschweinchen machen, über das Neueste aus dem Hause Pep und Bayern bis zum täglichen Putin-Bashing und die „Huff“ – wie sie liebevoll genannt wird – hängt sich im Simpelduktus willig ran, an diese neue Form der Information. Inhalt ist nicht mehr. Verdutzt und mit mahnendem Finger notiert man den allgemeinen und demokratiegefährdenden Vertrauensverlust bei den Lesern.

In diesem Waberberg stellen tapfere Positionierungen gegen Putin, Pegida und „Populisten“ so etwas wie ein Rückgrat dar. Kein Tag ohne Verunglimpfung – in diesen Medien hat sich das Wort „Haß“ eingebürgert, freilich nur in eine Richtung anwendbar.

-Leipziger wollen keine Wohnung an Petry vermieten-

Nun also mal wieder die AfD im Allgemeinen, Frauke Petry im Besonderen. Sie findet nämlich keine Wohnung in Leipzig. Sobald sie ihren Namen nennt, will sie keiner mehr. Und zurecht, meint Susanne Klaiber von der Huff, denn sie sei „selber schuld“, „daß es Menschen gibt, die nichts mit einer Vertreterin so einer Partei zu tun haben wollen.“ (Man stelle sich vor, Claudia Roth widerführe derartiges.) Die Wahrheit dürfte eine andere sein: Die Vermieter haben Angst! Denn Frau Petry lebt gefährlich. Wo sie einzieht, dort könnte es ungemütlich werden, insbesondere in Leipzig, wo die sogenannten Antifaschisten vor Gewalt bis zum bitteren Ende nicht zurückschrecken. Auch die 30 Angriffe auf AfD-Büros allein in Sachsen, die Anschläge auf Petrys Firma, die vielen unangenehmen Mails … sprechen eine deutliche Sprache.

Genüßlich weidet sich Frau Klaiber an diesem Zerfall des Rechtsstaates – es trifft ja die Richtigen! Und wenn AfD-Veranstaltungen die Räume gekündigt werden, dann ist das an sich in Ordnung, gäbe es den kleinen Schönheitsfehler des linken Terrors nicht. Und dann kommt der entlarvende Satz: „Sollten die Vorwürfe gegen die extremen Linken stimmen“ – ein überflüssiger und rein rhetorischer Konjunktiv –, „hätten sie der Sache einen Bärendienst erwiesen. Denn wenn die AfD nicht nur mit demokratischem Protest belegt, sondern illegitim bedroht wird … verläßt man den Rahmen der Rechtsstaatlichkeit oder den demokratischen Boden o.ä., hätte der Satz fortgesetzt werden müssen. Aber nein, die Huff schreibt: „Sollten die Vorwürfe gegen die extremen Linken stimmen, hätten sie der Sache einen Bärendienst erwiesen. Denn wenn die AfD nicht nur mit demokratischem Protest belegt, sondern illegitim bedroht wird, kann sie sich zum Opfer stilisieren.“

Das ist der Zustand eines wesentlichen Teils unserer Presse im Jahre 2015!

 

Die Droge Glück

Vor ein paar Jahren, in einer eher dunklen Periode, erschütterte mich ein Slogan – abgedruckt auf einem Faltblatt eines Seniorenheimes: Helfen macht glücklich!

Helfen macht glücklich

Der Gedanke, so einfach wie genial, ließ mir keine Ruhe; am Tage darauf meldete ich mich im Altersheim und erhielt die Aufgabe, eine Beschäftigungsstunde zu leiten.

So traf ich mich zwei Mal die Woche mit alten Menschen, löste Kreuzworträtsel, spielte infantile Spiele, holte längst vergessene Erinnerungen hervor, hörte viel zu und erklärte die zu kompliziert gewordene Welt. Es dauerte lange, bis ich das Vertrauen eines Stammes von Menschen erobert hatte, aber dann flog mir die Liebe zu. Immer wieder hieß es auch Abschied zu nehmen – das Fehlen des einen oder der anderen wurde von den meisten schweigsam und scheinbar emotionslos hingenommen. Einmal fehlte ein vergleichsweise junger und bislang sehr interessierter Mann von 72 Jahren – man hatte ihm einen Fuß amputiert ohne daß er sich dessen wohl recht bewußt war. Danach verweigerte er jegliche Teilnahme und verhungerte quasi ein halbes Jahr später.

Trotz dieser bewegenden Geschichten schien der Slogan – Helfen macht glücklich! – sich zu bewahrheiten. Die Dankbarkeit in den Augen dieser Menschen, die eigentlich trotz perfekter Pflege, vollkommen entmündigt waren, sie aus dem tiefsitzenden Schlaf für ein, zwei Stunden zu erwecken, hatte etwas Erhebendes. Als ich die Aufgabe aufgrund innerer Stagnation und des Gefühls, ein Alibi geworden zu sein, aufgab, weinte – auch das eine Folge des Helfens – ein 93-Jähriger.

Und nun gibt es das wieder, dieses unheimliche Gefühl. Man hilft Menschen, mit denen man sich vielleicht nicht einmal unterhalten kann, ist mit anderen euphorisierten Helfern und vor allem Helferinnen zusammen und fühlt dieses Glück. Das Glück des Dankes, das sich gegenseitig hochschaukelnde Glück des Zusammengehörens, das Glück, etwas Relevantes zu tun, die satte Erschöpfung am Abend, das Ringen um  den Schlaf und mit den vielen unverarbeiteten Bildern. Es ist wie eine Droge, ein High nach dem anderen. Aber es laugt dich auch aus wie eine Droge. Nach einer gewissen Zeit fallen die Aufgeputschten, die nicht zu dosieren wissen, in sich zusammen und melden Burn out.

Man will es trotzdem, auch weil es einen für einen kurzen Moment die Gewißheit vergessen läßt – selbst wenn man das Richtige tut – vielleicht am Gesamtfalschen teilzuhaben.

Koran und Neues Testament

Eine Runde Schach? Diesmal ist es Schlasch – ein Mann, der so aussieht, wie er heißt. Etwas unförmig, vorzeitig gealtert, unklare Konturen. Während des Spiels singt er leise eine Melodie vor sich hin, wie ein inneres Gebet. E6 und b6 als erste Züge, das hat mich noch nie überzeugt. Aber bald wird deutlich: er weiß, was er tut. Trotz meines massiven Raumvorteils gelingt es ihm immer wieder Druck auf meine Schwachstellen aufzubauen, bis ich nicht mehr standhalten kann und erst einen, dann einen zweiten Bauern verliere. Hussein sitzt daneben und diskutiert, während meine Denkphasen immer länger werden. Wo er das Spiel gelernt habe, frage ich: صديقي روسي, Sadiqi russi, mein russischer Freund, so viel verstehe ich schon. Einer seiner Brüder wohnt in Russland, ein anderer schon seit 40 Jahren in Ungarn.

Muhannad beschwört mich zum wiederholten Male. Wir sind nicht wie andere. Wir wollen arbeiten. In fünf Jahren bin ich ein Deutscher! Langsam, langsam, versuche ich ihn zu bremsen. Ein Deutscher zu werden, das braucht ein ganzes Leben, das ist mehr als nur die Sprache. Deine Kinder vielleicht, wenn sie hier zur Schule gehen. Aber was mit deinen Töchtern? Müßten sie das Kopftuch tragen? – Jetzt noch nicht, sie sind noch zu klein, aber später … – Und wenn sie es nicht wollten? Wenn sie den Glauben verlören, wenn sie einen deutschen, einen ungläubigen Freund fänden? … Hussein schaltet sich ein: „Im Islam kann man jemanden heiraten, der an Allah glaubt. Also auch einen yahudi, einen Juden oder einen Christen“. Und einen Atheisten? Davon gibt es hier im Osten besonders viel! – Das wäre schwierig. Aber, übernimmt Muhannad wieder, aber wenn meine Kinder sich so entscheiden, was soll ich tun? Natürlich will ich, daß sie Muslime werden, aber was soll ich tun? – Siehst du, auch das gehört zum Deutschwerden dazu.

Und überhaupt, wie sieht es denn mit dem Christentum aus? Hussein war ganz begeistert, als ich ihm mein Interesse an Koran und Islam bekundete. Wir können zusammen lesen. Fein! Ich packe das Neue Testament aus – Deutsch/Arabisch. Würdet ihr das auch lesen? Ich bekam es vom Pfarrer, der ein ganzes Set im Büro stehen hatte, um es „bei Bedarf“ zu verteilen. Zuerst wissen sie nicht recht, was es ist. Ich erkläre. Hussein meint: Mohammed – so steht es im Koran – sei der letzte Prophet gewesen, daher müsse er das nicht lesen. Das Argument kenne ich gut aus früheren Diskussionen mit Muslimen – nimm und lies heißt es immer beim Koran, nur umgekehrt gilt das nicht. Einbahnstraße. Genau da wollte ich ihn hinhaben, denn jetzt kann ich die Einseitigkeit nachweisen. Ihr könnt gar keine Europäer werden, wenn ihr nicht offen seid. Na gut, ich lese es, sagt er nun, es ist nicht verboten, aber es ändert nichts.

Siehst du, das ist der Unterschied: Irgendwann werde ich euch zu mir einladen und dann werdet ihr vor 10000 Büchern stehen – sie staunen. Europa, das ist die Welt vieler Bücher und nicht eines Buches!

Das Habermas ist voll

Bevor der meistgelesene Beitrag der letzten beiden Monate in der Versenkung verschwindet, soll er gern noch eine Ehrenrunde drehen. Wem dieser Beitrag gefällt, der findet vielleicht auch „Der schwarze Schwan“ (Popper) und „Völker, hört die Signale“ (Althusser/Balibar) lesenswert.

Eigentlich hätte man vom emeritierten spiritus rector unserer parlamentarischen Kultur – Parlament kommt von „parlare“ – eine grundsätzliche Stellungnahme zur aktuellen Flüchtlingskrise erwarten dürfen, läuft doch genau diese Kultur durch Polarisierung der Gesellschaft aufgrund von nicht verhandelten geschaffenen und vollendeten Tatsachen Gefahr, irreparabel geschädigt zu werden. Zu mehr als zwei kurzen und verdächtig blassen Interviews Ende September im „Handelsblatt” und der „Deutschen Welle” hat es jedoch bislang noch nicht gereicht. Habermas, von dem seit Jahren nichts Substantielles mehr kommt, traf sich anläßlich der Verleihung des Kluge-Preises in der Kongreßbibliothek des Weißen Hauses mit den braven Fragern.

Daß mit Habermas nicht mehr zu rechnen ist, beweisen besagte blutleere Beiträge hinlänglich. Ich möchte nur, in aller Kürze, auf ein verräterisches Detail hinweisen: seine fast beschämte Liebeserklärung an Frau Merkel. Beide Male nutzt er die Gelegenheit auf eine berühmt-berüchtigte Aussage der Kanzlerin besonders hinzuweisen: „Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen, dafür, daß wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“ (Originalzitat: Habermas schummelt, zitiert falsch, also grammatikalisch richtiger, wohl um die nachfolgende Argumentation erträglicher zu machen: “Wenn wir uns auch noch dafür entschuldigen müssen, daß wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.”)

Der Satz fiel am 15.9. während der Pressekonferenz anläßlich des Treffens mit Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann und war wohl, wie die Bilder und die Syntax insinuieren, spontan ausgesprochen worden. Die öffentliche Reaktion war enorm: in den Foren und Blogs löste er – soweit ich sehen kann – weitflächiges Entsetzen aus und führte dann zu einer Lawine an Häme und Spott; in den Leitmedien reagierte man hingegen weitgehend mit Anerkennung. Auch Jürgen Habermas hat sich über den Satz „so gefreut“, nicht zuletzt deswegen, weil es ihn „in gewissem Umfang bestätigt hat.“ Die Bestätigung sieht er, der Theoretiker des Kommunikativen Handelns, darin, „daß unsere Regierung endlich einmal normativ eine Perspektive öffnet und dahintersteht, daß dann eine Reaktion aus der Bevölkerung folgt, die einfach wie im Bilderbuch ist.“ Das also ist Kommunikatives Handeln á la Habermas in Vollendung. Nicht die Regierung folgt den Interessen des Volkes, sondern das Volk, oder die Bevölkerung, den normativen Vorgaben der Regierung. Man braucht schon erhebliche Erinnerungslücken, um diesen Gedanken bejubeln zu können: Die Regierung öffnet eine normative Perspektive, die Bevölkerung reagiert mit Begeisterung. Ich unterdrücke an dieser Stelle beklemmende Erinnerungsbilder in schwarz-weiß, lausche nicht den innerlich aufsteigenden verkratzten heiseren Kommandotönen und lasse auch dahingestellt, inwieweit die Bevölkerung tatsächlich mit Begeisterung reagierte und welche Rolle dabei gewisse, ja seltsamerweise eigentlich alle Medien gespielt haben … und richte mein Augenmerk nur auf den Zentralbegriff der Gespräche: „normativ“.

Wenige Augenblicke zuvor war er noch deutlicher geworden: „Das ist ein sehr starker Satz“. Stark, weil die Kanzlerin bisher eher laviert und „demoskopisch orientiert pragmatische Äußerungen“ gemacht habe. Hier wird man Habermas kaum widersprechen wollen, weder im ersten noch im zweiten Punkt. Nun aber kommt die entscheidende Aussage: „Nein, das war ein ganz entscheidender, normativer Satz“. Noch einmal: normativ (Normativität ist eine Zentralkategorie in der Theorie des Kommunikativen Handelns). Damit stilisiert Habermas eine situativ geäußerte Bemerkung, die vordergründig emotional argumentiert und zudem eine zumindest zweifelhafte innere Logik enthält und auch einen gewissen Zynismus oder eine bestimmte Abgehobenheit verrät, die noch nicht einmal in Syntax und Lexik einen normativen Impetus aufweist, zu einem normativen, also sprachlogisch und moralisch bindenden Satz (mit selbst juristischen Implikationen). Der Begriff der Normativität wird somit vollkommen ausgehöhlt, entbehrt er in dieser Lesart doch aller Vernunft.

Habermas war sich nie schade genug, den Richter zu geben, wer im Diskurs – im Sprachspiel des Kommunikativen Handelns und des herrschaftsfreien Diskurses – mitspielen darf. Mit eisernem Besen kehrte er nach eigenem Maßstab den philosophiegeschichtlichen Raum aus. Ausgeschlossen wurde alles „Irrationale“ und irrational war alles, was vermeintlich nicht-analytisch dachte. Das reicht von den antiken Kynikern über Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger, Schmitt bis hin zu Ernst Nolte und verschiedenen Vertretern der sogenannten Postmoderne und zuletzt Sloterdijk. Sie alle wollten nicht teilnehmen an der Vernunftdiktatur und den Letztbegründungskapriolen, beim „Gerede“ oder aber sie sahen historische Brüche, die Habermas nicht sehen mochte. Sie alle wurden von ihm der philosophischen Akademie verwiesen.

Nun, im Alter – und ein bißchen töricht in Angela Merkel verliebt –, ereilt ihn das gleiche Schicksal. Wenn Unsinn Norm wird – und/oder die Befindlichkeiten einer Einzelperson – kann von herrschaftsfreiem Diskurs selbst als Ideal keine Rede mehr sein, wenn gut ist, was gefällt, und nicht, was sich legitimieren und begründen kann. Theorie des Kommunikativen Handelns heißt demnach: Ich disputiere mit allen, die meiner Meinung sind.

Mit dieser Aussage, den geno-typisch undurchdachten Merkelsatz als normativ zu bezeichnen, „steigt er“ – um es mit Habermas zu sagen – „(endgültig) aus der Kommunikationsgemeinschaft der Vernünftigen aus“.

Quellen:
Jürgen Habermas: Der philosophische Diskurs der Moderne/Die neue Unübersichtlichkeit/Die Moderne – ein unvollendetes Projekt/Heidegger – Werk und Weltanschauung/Theorie des Kommunikativen Handelns
http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/interview-mit-juergen-habermas-dann-sind-wir-verloren-dann-ist-europa-kaputt/12390768.html?nlayer=News_1985586
http://www.dw.com/de/habermas-asylrechte-sind-menschenrechte/a-18752899
http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/7305128/-wenn-wir-uns-entschuldigen-muessen–ist-das-nicht-mein-land-.html

Druckversion Word:Habermas plus Interviews

Tränen in Paris

Hurra, die Welt ist gerettet! „Die Zeitenwende von Paris!“ – in dieser hohen Tonlage schreiben die Gazetten.

Warum uns die „Klimarevolution“ nicht retten wird:

1. Sie müßte nun auch umgesetzt werden. Ein sichtbares Zeichen dieser Intention wäre etwa das Ende der Suche nach neuen fossilen Bodenschätzen – z.B. in der Arktis, wo Rußland, die USA, Kanada und klein Dänemark mit den Säbeln rasseln. Oder der Kampf ums Fracking …
Wahrscheinlicher ist: alle verfügbaren fossilen Brennstoffe werden – im Verhältnis zur Wirtschaftlichkeit – bis zum bitteren Ende abgebaut und verbrannt werden.

2. Die Lösung sollen neue, alternative Techniken sein. Das war die Lösung (und Ursache) der letzten 3000 Jahre. Neue Techniken schaffen neue Probleme, spätestens dann, wenn sie massenhaft zur Anwendung kommen. Zu dieser Erkenntnis könnte jeder kommen, ganz gleich, aus welcher Schule man stammt: Sie ist in der marxistischen Dialektik ebenso enthalten wie in Heideggers Fundamentalontologie, als auch im christlichen Gedanken, bei Laotse ebenso wie Konfuzius und bei Mohammed sowieso – vor allem aber in der Realität. Trotzdem wird sie nicht zu Handlungen führen, denn

3. Nur ein kompletter ökonomischer, gesellschaftlicher, ethischer und humaner Umbau könnte die Zerstörungsspirale stoppen. Der Grundumsatz an Energie und Material müßte um mehrere Potenzen gesenkt werden. Verkraftbar war die Menschenwelt zuletzt vor 200 Jahren – damals lebten eine Milliarde Menschen auf der Erde. Auf dieses Umsatzniveau müßten wir, statt Wachstum, nun mit sieben Milliarden Menschen herunter.

4. Die heute stattfindende Klimaerwärmung ist Resultat der Emissionen der letzten Jahrzehnte. CO2 und Methan benötigen Jahre und Jahrzehnte, um klimawirksam zu werden. Selbst wenn wir heute abrupt auf Null kämen, würde der Klimagaseffekt noch viele Jahre anhalten.

5. Klimaerwärmung ist nur eines der vielen unlösbaren Probleme der Menschheit. Hier ad hoc ein paar andere – jedes einzelne katastrophal:

Überbevölkerung, Überfischung, Zusammenbruch der Fischpopulationen/Meeresfauna, Übersäuerung der Meere, Plastikmüll, Zersetzung des Plastikmülls im Meer, Absinken des Grundwasserspiegels, Grundwasservergiftung, Oberflächenwasservergiftung, Müllhalden, Schwermetalle, Bergbau, Wassermangel, Versalzung, Wüstenbildung, verringerte Biodiversität auf allen Ebenen/Artensterben, Bienensterben, Atomwaffen, Biowaffen, Chemiewaffen, Endlagerung Atommüll, Entsorgung Batterien und Elektroschrott, Atomkraftwerke, im Meer versenkte Atomreaktoren, Smog, Ozonloch, Massentierhaltung, Gentechnik, Regenwaldvernichtung, Ausbreitung von Krankheiten durch Globalisierung, Antibiotikaresistenz bei Tier und Mensch, neue Erreger (z.B. Vogelgrippevirus), Neophyten, Korallenriffe, bereits steigender Meeresspiegel, Lichtverschmutzung, Lärmverschmutzung, Biotopvernichtung, Landversiegelung, Pestizide und Herbizide, Monokultur, Gletscher- Eis- und Schneeschmelze, Methanfreisetzung im ehemaligen Permafrost, Kriege usw.

Gespräch mit den Syrern

Das System scheint allmählich zu greifen. Alle Syrer wurden plötzlich zu Sprachkursen eingeladen, an verschiedenen Schulen, zu verschiedenen Zeiten, mit verschiedenen Kurslängen. Immerhin. Muhannad geht von 8 Uhr bis 11.15 Uhr. 26 Schüler fasst die Klasse, fasste, denn die Hälfte der 15 Iraker gaben schon nach wenigen Tagen auf. Vermutlich, so meint er, weil sie ohne jegliche Sprachkenntnis und zum Teil auch Schulerfahrung den Einstieg zu hoch fanden. Die Lehrerin spricht nur Deutsch, da ist es schwer, überhaupt eine Kommunikation aufzubauen. Dafür seien die Syrer und auch die drei Eritreer gut und willig, der Iraner versucht es zumindest.

Besser sieht es bei Khalid aus. Seine Klasse umfasst nur 17 Schüler, vier Iraker, drei Eritreer und zehn Syrer – alle geben sich Mühe.

Hussein geht von 8 Uhr bis 16 Uhr, dafür aber nur bis Januar und nicht, wie die anderen bis März. Er hat gerade erst angefangen.

Wir kommen wieder auf Syrien zu sprechen. Die jungen Männer fliehen von dort, weil sie permanent der Gefahr ausgesetzt seien, von irgendwelchen Milizen und Patrouillen gestoppt zu werden und dann könne es passieren, daß der Paß einbehalten oder vernichtet und man mit Gewalt dieser zufälligen Truppe eingegliedert wird.

Sie zeigen mir Bilder und Filme auf dem Handy. Zerbombte Städte. Eine Frau mit langem Kaftan und Kopftuch mit blutigem Armstumpf, der eine Bombe wohl soeben die Hand abgerissen hatte. Täglich Bomben über den Köpfen der Familien, die man auch hören kann, während man sie anruft.

Frankreich bombt nun auch gegen ISIS. Gut, das finden sie gut. „Die haben uns alle vertrieben“.

Weihnachten. Wollen wir auf den Markt? Kennt ihr Weihnachten? Na klar, das feiert man auch in Syrien. Freunde seien Christen und die hat man jedes Jahr besucht und zusammen gefeiert. Mit Baum und Geschenken. „Weißt du, Syrien ist ein ganz normales Land, wir hatten alles.“

Den hiesigen Weihnachtsmarkt haben sie bei Tageslicht schon gesehen. Alles Essen.

Wir gehen die EU durch. Alle 28 Staaten sollten aufgeschrieben werden, mit Hauptstädten. „Die Hauptstadt von Estland ist Tallin“, in allen Variationen – nur so sitzt der Satz am Ende. Dazu die Karte Europas. Deutschland, Frankreich, Schweden, Italien werden gefunden, alle anderen Länder müssen gesucht werden, die baltischen Republiken sind unbekannt, Luxemburg sowieso und Malta, na ja, sogar Zypern. „Aber du mußt doch wissen, wo Ungarn oder Bulgarien liegen, da seid ihr doch durch?“ – „Keine Ahnung, wir sind immer nur mit den Menschen mitgegangen.“

Flüchtling, Halt! Polizei!

Da ist sie wieder, die moralische Überlegenheit, die politische Korrektheit, die den Teig unserer Medien seit Monaten durchsäuert. Sie will uns vorgeben, was wir zu denken und zu sagen haben, oder vielmehr: was nicht! Nun geht es also dem Flüchtling an den Kragen. Nein, natürlich nicht dem Flüchtling als solchem – der ist bis zum Abwinken welcome! –, sondern dem „Flüchtling“ als Wort. Politisch ganz inkorrekt – ein Wunder, daß es bisher noch niemandem aufgefallen ist. Nun aber fiel es einem Schreiberling in Form einer Journalist*in der Süddeutschen Zeitung ein: Das Wort des Jahres ist abschätzig. Auch dieses Wort also. Da sieht man mal wieder, wozu ein ausgedehntes Sophistikstudium dienen kann.

Grund eins: Niemand ist nur Flüchtling, sondern auch Mutter, Vater, Kind, Ingenieur oder Koch. Das Identitätsproblem also. In seiner Konsequenz verunmöglicht es Sprache schlechthin, denn nichts ist nur eines. Der Ball ist auch eine Kugel und eine Kuhhaut und ein Behälter und ein Symbol für … und ein Journalistling ist wohl auch ein Mensch oder eine Menschin und – in der Regel – Mann oder Frau und Arbeitnehmer*in und … und, gemessen an der Unendlichkeit, doch eigentlich ein Nichts. Daher ist auch der Alternativvorschlag – „der/die Geflüchtete“ – sinnlos.

Grund zwei: der Suffix „–ling“ ist böse. Ein altbekannter Trick, den ich im Zusammenhang mit dem Suffix „– ant“ bereits analysiert habe. Viel mehr als eine Wertung, besitzt er in allen germanischen Sprachen eine diminutive (verkleinernde) Konnotation. Hier nun die Versicherung an alle Verunsicherten: Nutzen Sie Wörter mit „–ling“ ohne Bedenken, mehr noch, nutzen Sie sie mit Freude, denn es sind gute Wörter und ein kleiner, aber wesentlicher Teil unserer überreichen und dringend erhaltenswerten Sprache: z.B. der Grauscheitelstelzling – okay, ein Scherz – aber der Jüngling, Abkömmling, Zwilling, Drilling, Steckling, Abkömmling, Sämling, Neuling, Findling, Zögling … alles feine Sachen (die oft mit kleinen Kindern zusammenhängen). Man muß nicht – aber man will ja – den Häftling, Finsterling, Eindringling anführen, um den Suffix zu diskreditieren und wenn diese Vokabeln negativ sein sollen, dann sind Prüfling, Lehrling und Schützling eben nicht „neutral“, wie behauptet, sondern positiv.

Der Suffix „–ling“ verstärkt die genannte Eigenschaft; der „Flüchtling“ ist also einer, der flüchtet oder geflohen ist, mit Betonung auf diese Facette seines Tuns, nicht mehr und nicht weniger. Daß viele Menschen damit unter falschem Etikett hier erscheinen, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle, wäre einen differenzierenden Artikel in der SZ – der bislang ausblieb, soweit ich sehe – aber durchaus wert.

Es dürfte im Übrigen kein Zufall sein, daß dieser Anschlag der Wortpolizei im Heribert-Prantl-Zentralorgan erscheint, denn Prantl ist ein begeisterter Verbieter. Wenn es nach ihm ginge, dann gäbe es weder Bürgerbewegungen noch Parteien, die glauben eine Alternative zu sein, und auch die NPD ist für ihn schon lange vor dem Richterspruch eine verfassungsfeindliche Partei, die sofort verboten gehört.

Seien wir doch wenigstens ehrlich: Was die Dame stört, ist nicht die konstruierte negative Konnotation des Suffix „– ling“, sondern daß dieser nur maskuline Wortbildungen zuläßt, weshalb ich sie zwar als Journalistling bezeichnen kann, nicht aber als Journalistlingin. Das schmerzt, muß ausgemerzt werden. Gender Mainstreaming live. Nur daß Sprache sich eben von „unten“ heraus entwickelt und nur in mehr oder weniger totalitären Regimen von oben dirigiert wurde und wird, daran denkt die Dame nicht – vermutlich, weil sie schon zu tief drinnen steckt im Sumpf.

Die Sprache ist ein zu wichtiges Thema, um es der Journaille zu überlassen – darüber sollten Volk und Dichter (nicht Richter) und Denker entscheiden. Und zur Not haben wir ja noch immer das gute alte deutsche Wort „Refjutschie“.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/deutsche-sprache-wort-des-jahres-warum-fluechtlinge-abschaetzig-ist-1.2778193

Selbsthaß

Bisher habe ich mich tapfer gegen alle Verschwörungstheorien zur Wehr gesetzt. Manchmal beginnt die Fassade nun zu bröckeln, insbesondere dann, wenn Nachrichten erscheinen, die das ungute Gefühl erwecken, daß es tatsächlich Entscheidungsträger in diesem Lande gibt, die bewußt und aktiv an der Abschaffung desselbigen, an dessen Zerstörung arbeiten. Vielleicht ist es nur ein Zufall, doch innerhalb weniger Stunden war zu lesen:

1. daß der 4. Senat des Bundesozialgerichts in Kassel entschieden hat, jedem Ausländer aus einem EU-Land einen Anspruch auf Sozialhilfe zuzugestehen, sofern dieser auch nur den Anschein einer Arbeit nachweisen kann und einen „verfestigten Aufenthalt“ hat. Geklagt hatte ein „Rumäne“ – wer rumänische oder bulgarische Freunde hat, wird möglicherweise auch die Erfahrung gemacht haben, daß auf diese nationale Bezeichnung allergisch reagiert wird, denn es handelt sich zwar um rumänische Staatsbürger, de facto sind es aber Sinti und Roma. Die öffentlich-rechtlichen Medien, ja sogar das ultralinke Spiegel-TV haben schon vor Jahren über die komplexen und vielschichtigen Probleme berichtet – nur in den letzten Monaten, seitdem so etwas als „Pauschalurteil“, „Volksverhetzung“, „Rassismus“ und als „unmenschlich“ gilt, scheint man das wieder vergessen zu haben. In Hamburg, Berlin, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf und anderswo haben Sinti und/oder Roma-Kommunen innerhalb kürzester Zeit ganze Straßenzüge und Viertel ruiniert. Der Trick ist einfach: Man meldet sich mit einem „Abrißgewerbe“ an und der „Gewerbestatus“ berechtigt zu Sozialhilfe und Kindergeld für oft viele Kinder. So kommt es, daß in einigen nun abrißwürdigen Häusern ein Dutzend „Abrißfirmen“ logieren. Mit besagtem Urteil könnte – sobald es sich herumgesprochen hat – ein starkes Magnet geschaltet worden sein, noch mehr ausländische Menschen plus deren in der Regel kinderreiche Großfamilien in das deutsche Sozialsystem zu ziehen, ohne daß ein gesellschaftlicher Beitrag zu erwarten wäre.

2. daß ab Mitte 2016 auch Georgier ohne Visumspflicht nach Deutschland einreisen können und das obwohl man seit langem weiß, wie gerade aus Georgien immer wieder „gezielt Landsleute als Asylsuchende nach Deutschland geschickt werden, um systematisch Diebstähle in Läden und Häusern zu begehen“. Der Zusammenhang zwischen erleichterter Einreise und Bildung mafiöser Strukturen ist längst bekannt, nun darf man sich also auf freie Fahrt für freie Bürger freuen. Der 90-tägige unkontrollierte Aufenthalt nach Schengen scheint perfekt ins Handlungsschema der Banden zu passen, die sich ohnehin nach einigen Einsatzwochen wieder zu Hause regenerieren. Außerdem geht die Entscheidung mit der Zeit: „fast zwei Drittel aller Tatverdächtigen der organisierten Kriminalität sind Ausländer“, der georgische und „rumänische“ Anteil dabei rasant steigend.

3. daß Ulla Jepke, die innenpolitische Sprecherin der Fraktion „Die Linke“, eine „deutlichere Begrenzung der im Ausländerzentralregister zu speichernden Daten auf Angaben zur Identität“ für wünschenswert hält, auf gut Deutsch also – und drei Wochen nach Paris – für weniger Datenkontrolle plädiert, denn das sei – ein „Pauschalverdacht“.

4. daß Claudia Roth, die Bundestagsvizepräsidentin und Politikerin von „Bündnis 90 Die Grünen“ ungestraft hinter Demonstrationsparolen wie „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ und – schlimmer noch, da ein NS-Zitat paraphrasierend – „Deutschland verrecke“ hinterherläuft.

5. daß das Landesgericht in Wuppertal die von Salafisten betriebene „Scharia-Polizei“ für unbedenklich hält. Ob im Gegenzug auch „Bürgerwehren“, die das als Signal lesen dürften, das gleiche Etikett bekommen, bleibt abzuwarten. In London jedenfalls machen die Polizeikollegen bereits gute Erfahrungen – hier zu sehen.

6. daß das „Time“-Magazin Angela Merkel zur Person des Jahres erklärt, u.a. mit der unglaublichen Begründung: „Es ist selten, einem Anführer bei dem Prozeß zuzusehen, eine alte und quälende nationale Identität abzulegen“, und alle Gazetten sie für diese demokratisch nicht legitimierte Untat – „eine alte (also doch wertvolle!) und quälende (wen bitte? mich nicht!) nationale Identität (auf die wir, wie alle anderen Völker auch, stolz sein können!) abzulegen“ – loben und nicht widersprechen und überhaupt ein amerikanisches Organ entscheiden lassen, wie wir unsere Identität zu denken haben. …

Ist das Zufall? Liegt es an meiner sensibilisierten Wahrnehmung? Oder gibt es einen rationalen Grund? Was, wenn die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in der „Flüchtlingsfrage“, die ohnmächtige Konfrontation mit der anderen Meinung – „Mensch, sehen die denn das nicht?“, scheint das letzte Argument auf beiden Seiten zu sein – zur Radikalisierung bis hin zur Selbstzerstörung auf der einen und zur Zerstörung auf der anderen führt? Die einen sehen die braune Saat aufgehen und bevorzugen zuvor – um auch das Unkraut zu vertilgen – lieber die Vernichtung der gesamten Ernte, die anderen sehen sich immer weiter marginalisiert und stigmatisiert, eingeengt und beginnen gezielt oder reflektorisch um sich zu schlagen?

Mit dem Hammer

Vergangenen Montag durfte ich zum wiederholten Male vor dem „Goethekreis“ in Plauen sprechen. Zur Debatte stand Herbert Fritsches Briefwechsel mit führenden Intellektuellen der Zeit. Aufgrund der aktuellen dramatischen Krise sah ich mich jedoch nicht in der Lage, ein akademisches Liebhaberthema abzuhandeln und nutzte die Gelegenheit, einige grundsätzliche Gedanken zur Situation zu äußern.

Der Vortrag war demzufolge in zwei Teile getrennt: im ersten wurde dem Publikum mitgeteilt, was es unter normalen Zuständen hätte erwarten können, im zweiten wurde dann Tacheles geredet.

Die Reaktion war durchweg positiv – offenbar herrscht ein großes Bedürfnis nach Diskussion und Aufklärung. Der Vortrag wurde zum Teil mit Erschrecken, zum Teil mit Wohlwollen aufgenommen, es gab eine intensive Auseinandersetzung, in der vor allem Sorgen und Ängste thematisiert wurden. Ein Zuhörer nannte das Referat „alarmistisch“, worauf ich entgegnete, daß ich das nicht als Alarmismus, sondern Realismus betrachte und wenn Realität alarmiert, dann müsse sie umso mehr besprochen werden.

Hiermit stelle ich diesen vorläufig ersten und der Vortragsituation angepaßten, also durchaus längst noch nicht umfänglichen Entwurf aufgrund der Textlänge als Download (Word) zur Diskussion.

jetzt nachzulesen unter: Worum es geht

1. der komplette Vortrag (inkl. Fritsche)

2. gekürzte Variante – nur „Flüchtlingskrise“