It’s better to die

„Familiennachzug begrenzen – Unchristlich, aber unvermeidlich?“ – so lautete eine Diskussionsrunde bei Anne Will. Nicht mein Konflikt und dennoch stand ich heute vor der schweren Aufgabe, die ich mir nicht ausgesucht habe, die Aussetzung des Familiennachzuges dem Syrer Muhannad nahe zu bringen. Es kann dauern, Jahre, vielleicht wird es gar nichts, vielleicht doch …

Er hat vier Kinder, eine Frau. Sie leben nicht mehr zu Hause, denn dort sei es gefährlich, sie sind bei den Großeltern untergebracht. Er zeigt mir Videos von lebensfrohen Kindern, acht oder zehn Jahre alt. Die eine wünscht ihn sich zurück, dann fehlen ihr die Worte. Im Hintergrund hört man die Mutter freundlich motivierend, aber der Kleinen fällt vor der Kamera nichts mehr ein, verschämt druckst sie herum. Die jüngste Tochter rezitiert stolz ein paar Verse von Allah und Mohammed, die sie in der Madrasa gelernt hat. Die Kinder sitzen im Bett oder auf dem polierten Steinfußboden, Jeans, T-Shirt, das Haus – soweit man sehen kann – ist sauber und westlich eingerichtet. Ein Photo von seiner Frau aus glücklicheren Tagen: ein rundes Gesicht von rotem Stoff umrahmt. Wenn er telefoniere, so sagt er, dann könne er manchmal die Bombeneinschläge hören. Vor wenigen Tagen erst sei in der Apotheke gegenüber eine Granate eingeschlagen und habe auch die Fenster der großelterlichen Wohnung zerstört. Im Auto sei ein Blindgänger gelandet. Trotzdem nennt er die Gegend verhältnismäßig sicher.

Als ich die neuen Beschlüsse zum Familiennachzug erkläre, wird er still, werden wir alle still. Er ringt um Worte, schluckt. Dann sagt er: „But I hope … I will wait“. Wieder Ruhe und der Satz: „Than it’s better to go back and die with my family“.

Nach der Lektion spricht er noch: „I hope you can help me!“ Was soll ich sagen? Ich nicke und zucke mit den Schultern zugleich.