Muslime in Dänemark II

Anfang des Jahres hatte Imam Oussama El-Saadi, Vorsitzender der Grimhøjmoschee im Aarhuser Problemviertel Gjellerup, noch die Chuzpe – selbstverständlich vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt – im Namen seiner Gemeinde und vor laufender Kamera, sich den Sieg der ISIS zu wünschen: „Für uns gilt: Wir wollen, daß der Islamische Staat vorankommt. Aber das bedeutet nicht, daß es jener Islamische Staat sein muß, den man gerade sieht“. Auch die Einrichtung eines/des weltweiten Islamischen Staates schien ihm sympathisch zu sein: „Aber wir wünschen uns, eines Tages einen Islamischen Staat weltweit zu sehen“. Auf die Frage, ob dänische Piloten, die den ISIS in Syrien bombardierten, also auch Krieg gegen „euch“ (Muslime im allgemeinen und dänische Muslime) führten, antwortete er im Januar mit einem entschlossenen „Yes, sicher“.

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Großer Aufruhr in den Medien. Selbst Naser Khader, syrischstämmiger liberaler Politiker und Muslim und einst Gründer der „Liberalen Alliance“ plädierte daraufhin, und weil El Saadi mit zurückgekehrten Syrienkämpfern in persönlichem Kontakt stand, für die Schließung der Moschee. Doch die dänischen Behörden setzten auf Dialog und nun scheint sich dieser Einsatz gelohnt zu haben. In einem Interview des Regionalsenders TV2 Østjylland legt der Imam eine klassische Pirouette hin. Stolz berichtet der Sender in politisch korrekter Sprache: „Grimhøj mit Kehrtwende: Kämpft gegen Syrienreisende (sic! – syriensfarere)“.

Lächelnd und in holprigem Dänisch erklärt El-Saadi vor schwarzer Flagge: „Wir versuchen, ihnen zu erklären, daß es eine schlechte Idee ist, daß man gegeneinander kämpft, als Muslime in Syrien.“ Gern nimmt der Sender den Ball auf und betont die nun hilfreiche Mitarbeit des Imams, der aktiv in die Entscheidungen der jungen Männer, welche in den Krieg zu ziehen überlegen, eingreift. Und auch die Polizei zeigt sich dankbar. Immerhin konnte die Zahl der „Reisenden“ von 30 im Jahre 2014 auf vier im laufenden Jahre verringert werden, „soweit man weiß“. „Für viele überraschend, wählte die Moschee nun die Zusammenarbeit“, verkündet der Sender sichtlich beruhigt. Vertreter verschiedener Behörden sekundieren gern.

El-Saadi bringt auf den Punkt, wie Dialog funktioniert: „Niemand schreibt uns vor, was wir zu tun haben, weder die Polizei noch die Politik. Es war ein Dialog. Wir haben ihnen Ratschläge gegeben und sie gaben uns auch einige Ratschläge.“ Dann plaudert er aus dem Nähkästchen: Eines Tages kam ein junger Kerl zu ihm und wollte „gerne nach Syrien reisen“. El Saadi riet ihm ab und „nach zwei Wochen traf er ihn wieder und der junge Mann konnte ihm stolz berichten: ‚Ich habe einen schönen Job gefunden, ich arbeite, ich bin sehr zufrieden, alles ist in bester Ordnung“ – sowas hört man bei TV2 gerne und sieht daher keine Notwendigkeit, nachzufragen. Der Behördenchef konstatiert mit Freude, daß die Grimhøj-Leute nun endlich eingesehen hätten, wie „Religion und gesellschaftliche Pflichten Hand in Hand gehen können“.

Das freilich waren nicht ganz die Worte des Imams. Man muß sie sich auf der Zunge zergehen lassen: die schlechte Idee, von der man die potentiellen Gotteskrieger abbringen wollte, war, auf den Hauptsatz reduziert: „… daß man gegeneinander kämpft, als Muslime …“ – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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