Kleine Flaggenkunde Pegida II

Dresdener Impressionen

Neben den Staatsflaggen findet sich auch eine ganze Reihe von Landesflaggen.

Eine brandenburgische Fraktion:

Brandenb

Bayern im Lichterglanz:

Bayern

Die sächsische Flagge mit Wappen. Auch das stellt eigentlich eine Ordnungswidrigkeit dar, da diese Flagge nur staatlichen Institutionen zusteht. Frei hingegen ist die grün-weiße Flagge.

SAchsen klassisch

Auf die „stolze Tradition Sachsens“ wollte der Träger dieser Flagge hinweisen.

Sachseb König

Auf ihr ist das Wappen des Königreiches Sachsen zu sehen – die Flagge war von 1816 bis 1918 im Dienst. Sie erinnert u.a. an die 1848/49 er Revolution. Auch die schwarz-gelbe (nicht Dynamo Dresden) Vorgängerflagge des Königreichs Sachsen (1805-1815) war zu sehen.

Wer bei der Niederschlesischen Flagge

schlesien

reflexartig „Revanchismus“ ruft, muß sich historisch belehren lassen. Der Träger gab als Argument vor, seine Frau sei aus Glogau, weshalb er die Flagge trage. Ich selbst war der Meinung, das sei „nicht ganz ohne“. Tatsächlich aber gehörten Teile des heutigen Sachsen – Niederlausitz (Görlitz) – zur preußischen Provinz Schlesien und wurden nach 1945 Sachsen zugeschlagen. Das Tragen der gelb-weißen Flagge ist laut Verfassung des Freistaates auch heute noch in diesen Gebieten – ebenso wie in den sorbischen Gebieten die sorbische Flagge – neben der sächsischen gleichberechtigt erlaubt.

Zwei Flaggen stellten mich vor große Rätsel.

Saarland

Weißes skandinavisches Kreuz auf rotem und blauem Grund – der Träger war aus dem Saarland angereist und trug die saarländische Protektoratsflagge, die von 1946 – 1957 gültig war.

„Flag of Saar (1947–1956)“ von User:Khardan - Eigenes Werk. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons ©https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flag_of_Saar_

© Wiki gemeinfrei

In diesen Jahren war das Saarland zwar Frankreich unterstellt – daher die Tricolore-Farben –, besaß aber eine teilweise Souveränität. 1955 wurde dann in einem Volksentscheid die Angliederung an die Bundesrepublik mit 67% zu 33% legitimiert. Auf diesen Volksentscheid kam es dem Saarländer besonders an – er begriff das Mitführen der Flagge also als symbolischen Ausdruck für die Forderung nach Volksentscheiden in wesentlichen Fragen.

Träger dieser Flagge

Kurpfalz

war ein junger Mann in Bundeswehruniform. Er stammte aus Kaiserslautern und trug die (historische?) Flagge der Kurpfalz die wohl bis 1777, als die Wittelsbacher Linie ausgestorben war und die Pfalz Bayern angeschlossen wurde, gültig war.

Unter den politischen Flaggen, die bei Pegida-Demonstrationen gezeigt werden, muß man Phantasieprodukte oder Willensentäußerungen von Symbolen politischer Bewegungen unterscheiden.

Weltberühmt und eher dem linken Spektrum zugehörend, ist die Regenbogenflagge der Friedensbewegung mit der Aufschrift „Pace“ oder „Peace“.

pace

Sie wird auch bei Greenpeace und gelegentlich bei Homosexuellenkundgebungen gezeigt. Sie „dient in vielen Kulturen weltweit als Zeichen der Toleranz bzw. Akzeptanz, Vielfältigkeit, der Hoffnung und der Sehnsucht“ (Wiki).

Am ganz anderen Pol, was die Verbindlichkeit betrifft, ist dagegen die Flagge der „Identitären Bewegung“ einzuordnen, hier in einer stark stilisierten Form – es gibt sie auch in Umkehrfarben.

IdentitDas Lambda, der griechische Buchstabe „Λ“, steht für „Lakedaimon“, den antiken Stadtstaat, dessen geistiges Zentrum Sparta war. Die Identitären sind eine vor allem junge Bewegung – auch wenn der Träger der Flagge die 50 bereits überschritten haben dürfte – deren Hauptziel es ist, „den großen Austausch“ der Bevölkerung zu verhindern. Sie setzt dabei vor allem auf spektakuläre und symbolische Aktionen, bemüht sich aber auch um eine „metapolitische“ Fundierung.

Die Flagge „Widerstand“ konnte weder der Träger noch eine Recherche aufklären. Das Wort stand dort Pate für die zu transportierende Botschaft.

WiderstandGleiches gilt für die Phantasiefahne „Frieden – Mir – Peace“.

Freieden

Das Rentnerehepaar wollte eigentlich die in der DDR weit verbreitete Picassotaube, doch ist diese urheberrechtlich geschützt und diese weiße Taube auf hellblauem Grund kam dem am nächsten.

Eine Aufnahme der polnischen, ungarischen und norwegischen Landesfahnen ist mir leider nicht gelungen.

Fortsetzung: Kleine Flaggenkunde Pegida I

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2 Gedanken zu “Kleine Flaggenkunde Pegida II

  1. Ich war am 9.11. bei Pegida – eine Stichprobe und noch nicht mal eine repräsentative, denn aufgrund des Gedenkens an die Reichspogromnacht wurde ein Schweigemarsch veranstaltet. Es kann an anderen Tagen ganz anders aussehen. Actio = Reactio kann auch eine Rolle spielen. Selbstverständlich würde ich meine Hand nicht für jeden einzelnen Pegidisten ins Feuer legen – dort dürften sich, wenn es denn die gesellschaftliche Mitte ist (was mir der Fall zu sein schien), auch alle Typen versammeln, darunter sicher auch Mörder, Vergewaltiger, Fremdenhasser, Schläger … nicht anders als bei der „Herz statt Hetze“-Demo – immer statistisch und soziologisch differenziert gesehen.
    Fakt ist aber auch, daß ein gewisser Teil der Gegendemonstranten sehr gewalttätig ist und diese Art der Gewalt medial kaum bemerkt wird.

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  2. Das sieht alles nach ein wenig Folklore aus; man trifft sich mal wieder, darf endlich auch eine Fahne tragen, auf die man sogar stolz ist, selbst gebastelt zumeist, fehlt noch der Ruf nach Sicherung und dem Erhalt traditioneller Stollenrezepte und gegen die Durchmischung mit Chubz oder Baklava.

    Doch, wie geht das weiter? Der Leiter des „Zentrums für Bildungsökonomie“, Ludger Wößmann äußert sich in Die Zeit vom 19.11.2015 zu einer aktuellen Bildungsstudie der OECD: „ …, dass zwei Drittel der Schüler in Syrien nur sehr eingeschränkt lesen und schreiben können, dass sie nur einfachste Rechenaufgaben lösen können, …., selbst wenn sie Deutsch gelernt haben, kaum dem Unterrichtsgeschehen folgen können, …, und diese zwei Drittel der jungen Syrer, die nach internationalen Bildungsstandards als funktionale Analphabeten gelten müssten, wird zumindest zumeist die Ausbildungsreife für die hiesigen Ausbildungsbetriebe fehlen. Das sind harte Zahlen. Wir müssen realistisch sein.“ Hier lohnt ein Weiterlesen, auch wenn ein gewisses Unbehagen verstärkt wird. Doch IG- Metall Vorsitzender Jörg Hofmann hat (in Die Zeit vom 19.11.2015 ) auch zumindest einen Ansatz der möglichen Lösung: „Natürlich kann man sich vorstellen, dass der polnische Erntehelfer durch einen Flüchtling ersetzt wird. Aber das hat doch keine Perspektive.“ Und da würde ich gern widersprechen! Man könnte per Gesetz polnische Erntehelfe ausschließen, da Polen momentan die Hilfe verweigert. Noch fördernder wäre eine sinnvolle Vervollständigung der Pegida- Forderungen. DEUTSCHE ESST MEHR GEMÜSE

    Von Körperverletzung bis Hitlergruß Bei Pegida und Co. grassiert die Gewalt

    24.11.2015 15:44 Uhr Von Matthias Meisner in DER TAGESSPIEGEL

    Pegida und ihre Ableger sind nicht friedlich. Die Bundesregierung hat in einem Jahr 940 Straftaten bei der Gida-Bewegung registriert, davon 255 im Bereich „Politisch motivierte Kriminalität rechts“. Der fremdenfeindlichen Thügida-Ableger „Wir lieben Ostthüringen“ demonstriert Anfang November in Rudolstadt „gegen die Überfremdung unserer Heimat“ – Foto: Michael Reichel/dpa

    Die Liste der Delikte ist lang. Sie reicht von Körperverletzung über Beleidigung und Bedrohung bis zur Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, wozu etwa auch das Zeigen des Hitlergrußes zählt. 940 Straftaten zählten die Behörden bei der Gida-Bewegung seit Oktober 2014 – der ersten Pegida-Demonstration in Dresden. Das geht aus einer dem Tagesspiegel vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor. 255 werden dem Bereich „Politisch motivierte Kriminalität rechts“ zugerechnet. Die Regierung selbst gibt zu, dass die Darstellung der Straftaten „keinen Anspruch auf Vollständigkeit“ erhebe.

    In der Statistik berücksichtigt sind Pegida am Stammsitz Dresden sowie deren offizielle und inoffizielle Ableger. Mehr als ein Dutzend Paragraphen des Strafgesetzbuches stehen auf der Delikte-Liste, etwa auch Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, die Verunglimpfung des Bundespräsidenten sowie die öffentliche Aufforderung zu Straftaten. Daneben wurde mehrfach gegen das Sprengstoffgesetz und das Waffengesetz verstoßen. In Dresden, wo Pegida nach wie vor den größten Zulauf hat, wurden besonders häufig Verstöße gegen das Versammlungsgesetz verzeichnet.

    Regionale Schwerpunkte in der Statistik zu Straf- und Gewalttaten der Gida-Bewegung gab es beim Leipziger Pegida-Ableger Legida, bei den Aufmärschen der Sügida in Suhl sowie von Bärgida in Berlin. Aber auch westdeutsche Städte werden immer wieder erwähnt, vor allem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, zum Beispiel Braunschweig, Hannover, Düsseldorf, Köln, Duisburg und Wuppertal. Der „Kriminalpolizeiliche Meldedienst“ erfasst laut Regierung keine Berufsgruppen und auch keine Opfermerkmale wie „Flüchtling“, „Journalist“ oder „Politiker“ – die von der Linken dazu erbetene detaillierte Aufstellung gab die Fallzahlendatei des Bundeskriminalamtes deshalb nicht her.

    „Behörden in Sachsen haben erhebliches Wahrnehmungsdefizit“

    Die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner, die die Anfrage gestellt hat, sagte dem Tagesspiegel, „noch mehr als sonst“ würden die offiziellen Zahlen von Bundesregierung und Strafverfolgungsbehörden „nur einen Ausschnitt der Realität“ spiegeln. Dies sei nicht etwa eine Folge „statistischer Fehler“. Ursache dafür sei vor allem, dass beispielsweise in Dresden weder Polizei noch Justiz einschlägige Straftaten von Pegida-Anhängern ahnden oder überhaupt registrieren würden. Für Dresden seien ganze vier Fälle aufgeführt. Alleine die zahlreiche Angriffe auf Gegendemonstranten bei der Kundgebung im Oktober am ersten Jahrestag von Pegida, die sich alle nicht in der Statistik wiederfänden, seien ein deutlicher Beleg dafür.

    „Übergriffe auf Journalisten, Gegendemonstranten oder migrantisch aussehende Menschen, die auch nur zufällig in der Nähe solcher Veranstaltungen sind, werden komplett unterschlagen“, sagte Renner weiter. Sie verwies unter anderem auf einen Angriff auf eine Gruppe migrantischer Jugendlicher im Anschluss an eine Pegida-Demonstration kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres. Eine Polizistin, die zunächst die Anzeigenaufnahme mit kruder Begründung abgelehnt habe, müsse sich deshalb disziplinarisch verantworten. Schüler, die von der Veranstaltung eines Theatertreffens kamen, seien von Pegida-Anhängern bedroht und beleidigt worden. Die Linken-Politikerin sagte: „Zweifellos haben die Sicherheitsbehörden und Strafverfolger in Sachsen und darüber hinaus ein erhebliches Wahrnehmungsdefizit.“

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