Alltag in Deutschland

Sitze gerade mit meiner eritreischen Studiengruppe und konjugiere die Modalverben durch, als es klingelt.

Eritreische Gruppe

In der Tür erscheint ein nach Haut- und Haarfarbe, Kleidung, Mimik, Gestik und Sprache vermutlich gebürtiger Deutscher. Kein regionales Idiom, Herkunft überhaupt nicht nachweisbar. Er stellt sich als Eigentümer des Hauses vor und wolle den Zustand der Wohnungen begutachten. Erschrickt ein wenig, einen Landsmann vorzufinden. „Wer sind Sie?“ – Nenne meinen Namen: „Gebe Deutsch“ – „Sehr gut! Können Sie nicht auch die Männer in der Wohnung gegenüber unterrichten? Die brauchen Beschäftigung“ – „Kann leider nicht die ganze Welt retten. Ist ohnehin etwas schwierig; das sind Somalier, ganz anders als meine Eritreer“ – „Ja, das sieht man. Hier herrscht ja Ordnung, wie ich sehe. Da drüben ist alles drunter und drüber.“

Ich frage ihn, ob er tatsächlich der Eigentümer sei. „Ja, habe die Häuser vor zwei Tagen gekauft und wußte gar nicht, daß Immigranten darin leben.“ Frage mich, ob das eine angenehme oder böse Überraschung gewesen sei. Erzähle ihm dann vom fehlenden Antennenanschluß in allen Wohnungen und von dessen Notwendigkeit, wenn diese Menschen tatsächlich Deutsch lernen sollen. „Ah ja, ich habe es notiert“ Ich sehe weder Stift noch Blatt – wurde wohl aufs innere Whiteboard geschrieben und sogleich wieder weggewischt. Leider fehlt mir die Geistesgegenwart, gleich nach der Telefonnummer zu fragen.

Dann erscheint doch noch ein nichtimmigrantischer Bewohner im Treppengang, Frisur eines Amazonas-Indianers, rosa T-Shirt mit eingeschnittenen Löchern, Erbsenbrust, quallige Konsistenz. Gehört vermutlich einem der 58 Minderheitengeschlechter an. Muß bedauerlicherweise meinen mangelnden Bildungsstand in diesen Fragen beklagen. Der Mensch spricht eine Art Deutsch, gestikuliert wild, beschwert sich wohl über irgendetwas, defekte Rohre. Wir hören zu und beschließen nach 30 Sekunden, ihn zu ignorieren, was er anstandslos hinnimmt. Hausbesitzer bedankt sich bei mir – „Wie war noch mal Ihr Name?“ Schalte noch immer nicht. Tür zu. Weiter im Stoff. „Senaid, konjugiere bitte ‚wollen‘“

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3 Gedanken zu “Alltag in Deutschland

  1. Ich bin nur der Chronist – aber im Zshg. mit dem Ellefelder Arzt erwähnt ein Leser im Forum Folgendes: „Man sollte sich da schon eher mit dem Herren Rodny Scherzer befassen. Der feine Herr zählt zu jener Sorte von „Geschäftsleuten“ die sich dumm und dämlich an den „Flüchtlingen“ verdienen. Der werte Herr kauft reihenweise alte Landgasthöfe auf – und macht daraus Flüchtlingsunterkünfte. Der Tagessatz liegt zwischen 25 und 50 Euro.pro Flüchtling Dafür werden 4,5m² pro Flüchtling bereitgestellt. Bei 80 „Flüchtlingen“ sind das zwischen 60 und 120 tausend pro Monat. Steuergelder !“ Kann das jetzt nicht bestätigen. Allerdings gibt es mittlerweile ausreichend Literatur zum Thema „Asyl-Industrie“ etc., also über die wirtschaftlichen Gewinner und also auch Interessierten an der Situation.

    http://www.focus.de/regional/sachsen/fall-fuer-die-landesaerztekammer-beschwerde-eingereicht-arzt-aus-sachsen-will-keine-fluechtlinge-behandeln_id_5108311.html

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  2. Ellefelder Arzt will keine Ausländer behandeln

    Ein Arzt sagt öffentlich, dass er in seiner Praxis keine Ausländer behandeln will. Hat das Konsequenzen?

    Von Heike Mann erschienen am 24.11.2015

    Plauen/Ellefeld. Gegen Dr. Thomas Schädlich, der als Internist in Ellefeld praktiziert und Mitglied des vogtländischen Kreistages für die Alternative für Deutschland (AfD) ist, liegt eine Beschwerde bei der Sächsischen Landesärztekammer vor. Das bestätigte Knut Köhler, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kammer. Die Beschwerde hat Rodny Scherzer eingereicht, der mit seiner Projektverwaltungsgesellschaft das ehemalige Hotel „Ellefelder Hof“ in Ellefeld gekauft und mit dem Vogtlandkreis einen Vertrag zur Nutzung als Flüchtlingsunterkunft geschlossen hat. Hintergrund der Beschwerde sind Äußerungen des AfD-Kreisrates bei der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag in Ellefeld. Dort stellte Scherzer das Nutzungskonzept für den „Ellefelder Hof“ vor. Der hatte seit Jahren leer gestanden.

    Schädlich hatte unter anderem gesagt, dass er die medizinische Behandlung von Ausländern und Flüchtlingen in seiner Praxis ablehne. Und: „Wenn ich Ausländer behandeln wollte, wäre ich zu Ärzte ohne Grenzen gegangen.“

    Die bloße Ankündigung sei moralisch verwerflich, aber juristisch zunächst nicht relevant, äußert sich die Landesärztekammer zu der vorliegenden Beschwerde. Es müsse „tatsächlich zu einem nachweislichen Verstoß gekommen sein“, bevor die Landesärztekammer Rügen erteilt oder Ordnungsgeld androht. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsrecht dürfe ein Arzt einem Patienten nicht wegen dessen Hautfarbe, Religion oder Staatsangehörigkeit eine Behandlung verweigern. Verstößt er dagegen, kann er straf- beziehungsweise zivilrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden. Wörtlich heißt es: „Wenn sich der Arzt eines Verhaltens schuldig gemacht hat, aus dem sich seine Unwürdigkeit oder Unzuverlässigkeit zur Ausübung des ärztlichen Berufes ergibt, könnte es sogar zum Approbationsentzug durch die Landesdirektion Sachsen kommen.“

    Dr. Thomas Schädlich hatte bis gestern sowohl von der Beschwerde als auch von der Stellungnahme des Landesärztekammer keine Kenntnis, weswegen er dazu keine Stellung nehmen wollte. Zu seinen Äußerungen am Donnerstagabend habe es vorab Absprachen mit seinem Rechtsanwalt gegeben.

    CDU-Landtagsabgeordneter Sören Voigt, der als Gast an der Gemeinderatssitzung in Ellefeld teilnahm, ist schockiert von den Äußerungen Schädlichs. Diese würden deutlich zeigen, „dass er ein massives Problem mit allen Ausländern hat“. Voigt: „Eine Unterscheidung zwischen Deutschen, die es wert sind, medizinisch betreut zu werden und Menschen, die es nicht sein sollen – neben Flüchtlingen eben auch Menschen aus anderen europäischen Ländern – ist nicht hinnehmbar.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete erwartet von Schädlich eine öffentliche Entschuldigung und Positionierung, „die klar erkennen lässt, dass er als Arzt jedem hilft, der dringend medizinische Versorgung braucht.“

    Rodny Scherzer erwartet von der Ärztekammer eine „rechtliche und standesrechtliche Bewertung des Vorgangs“. An ihren Plänen halten er und sein Bruder André trotz des Widerstandes von einem Teil der Ellefelder fest. Das sagten sie auf Nachfrage gegenüber „Freie Presse“. In Ellefeld ist eine Unterkunft für rund 80 Flüchtlinge geplant. Die ersten 40 sollen ab 1. Dezember kommen, weitere 40 im Januar. Rodny und André Scherzer betreiben Einrichtungen für Asylbewerber bereits im Landkreis Hof. Für die in Ellefeld ist mit dem Vogtlandkreis eine Nutzungsdauer von eineinhalb Jahren festgelegt.

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