Integration – Unterschiede

Seit Wochen predige ich meinen wirklich interessierten Eritreern: Schafft euch einen Fernseher an oder wenigstens ein Radio und hört und seht deutschsprachige Sendungen. Nur so, wenn ihr schon kaum Kontakt zu Deutschen habt, könnt ihr euch in die Sprache einlauschen.

Nun aber ist der Antennenanschluß im Hause tot. Also müßte eine Schüssel her – an Eigeninitiative mangelt es leider. Zwei Marokkaner, die Etage darunter, haben es auch geschafft. Ich frage Adlan, der neben Blin, Tigre und Tigrinya auch Arabisch spricht, ob er nicht fragen könne, wie die beiden das gemeistert haben? Er winkt ab: „Nicht gut“, das Verhältnis zu den Marokkanern ist schlecht, man geht sich aus dem Weg, „viel trinken“ spielt wohl auch eine Rolle.

Jetzt prangt eine neue Schüssel an der Hauswand: die Nebenwohnung, wo vier Somalier leben. Die hatte ich auch schon zum Sprachunterricht, aber sie kommen nicht regelmäßig, schaffen es nicht, den Hausflur zu überwinden. Also schaue ich dort vorbei, um mich zu erkundigen, wie die technischen Probleme gelöst wurden. Einer liegt im Bett (17 Uhr) und schläft, der andere fläzt gelangweilt auf dem Boden, ißt apathisch irgendeine unappetitliche Dose leer und schaut tatsächlich in die Röhre: Sharya TV, Arabisch. Live aus einer riesigen Moschee. Deutsche Sender? Keine …

Abends durchhallen arabische Gebetsgesänge gespenstisch das vornehmlich ex-proletarische, „prekäre“ Viertel.